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FRR132 - Money Money Money

Cover: FRR132 - Money Money Money

Folge 132 · 23.10.2023 · wie heute Philanthropie funktioniert.

Money Money Money: Was ist dran am Klischee der Reichen in Deutschland? Welche Rolle spielt Reichtum im Fundraising? Und was hat Andreas Schiemenz damit zu tun? Die Folge schaut auf das

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Transkript

Maik Meid Vor ein paar Wochen bin ich bei einem Job eingesprungen. Ich lief auf einer Abendveranstaltung der Finanzbranche auf einem Dach eines sehr repräsentativen Gebäudes in Düsseldorf mit einer Kamera rum. So weit so gut. Ich war durchaus erkennbar als nicht Gast, sondern als Mensch, der da etwas zu tun hat. Und völlig aus dem Nichts heraus wurde ich angesprochen von einer Frau, die Smalltalk mit mir beginnen wollte. Ob ich wüsste, wo die Königsallee sei und ob man die Königsallee von dieser Dachterrasse aus sehen könnte. Als nicht Düsseldorfer, aber als halbwegs orientierter Mensch konnte ich ihr die grobe Richtung zeigen. Allerdings war die Königsallee nicht zu sehen und das fand sie sehr schade, denn im nächsten Satz gab sie mir mit, dass man dann ihre Dachterrasse hätte sehen können, denn die sei dort und die hätte sie nun gerne gesehen. Für alle Nicht-Düsseldorfer, die Königsallee ist die durchaus finanzstärkste S traße dort und vor allem ein Aushängeschild und klischee mäßig verbunden mit sehr viel Geld. Vor einigen Tagen sei sie zu Besuch bei einem Vorstand eines anderen $Unternehmens gewesen und von dort aus, Hochhausturm 200 Meter weiter, hätte man ihre Wohnung sehr gut sehen können. Und die Vorstandsetage dieser anderen Firma sei auch noch viel schöner gewesen als das, wo wir uns nun befinden. Ich fand diese Begegnung eher lustig, aber auch unangenehm, denn sie holte wieder sämtliche Klischees raus, die man so im Kopf hat, wenn man an reiche Menschen denkt. Als Fundraiser habe ich immer wieder mit dem genauen Gegenteil zu tun gehabt, Menschen, die ihr Vermögen eben nicht wie eine Monstranz vor sich her tragen. Warum spaltet Reichtum eigentlich? Was sind das für Vorurteile und warum sind die da? Und welche Rolle spielen reiche Menschen für die Philanthropie und das Fundraising eigentlich in Deutschland? Der Mensch, mit dem ich heute darüber spreche, ist fest davon überzeugt, dass reiche Menschen zum Teil viel bodenständiger sind, als es das Klischee vermuten lässt. Zudem begrüßt er jeden in der Bahn mit Handschlag persönlich und ist davon überzeugt, dass Hamburg die schönste Stadt der Welt ist. Ob das so ist, das klären wir mal. Es ist der 20.10.2023. Ich bin Maik Meid und ihr hört das Fundraising Radio, Folge 132, Money, Money, Money. Begrüßung Andreas Schiemenz Und jetzt hoffe ich, dass du auch in Hamburg sitzt. Moin, Andreas Schiemens.

Andreas Schiemenz Moin, Maik.

Maik Meid Ist es so? Sitzt du in Hamburg oder bist du auf irgendeiner Dienstreise in irgendeinem Hotelzimmer mit reichen Menschen unterwegs?

Andreas Schiemenz Nein, also ich bin tatsächlich in Hamburg und freue mich, dass endlich Herbst ist und wir den Hamburger Regen wieder zurück haben.

Maik Meid Also wenn ich rausgucke, haben wir gerade seit heute wirklich so einen Regen, der niemanden freiwillig vor die Tür gehen lässt. Und das findest du schön?

Andreas Schiemenz Ja, also wir sind ja im Norden dahingehend ausgestattet, also Gemüts- und Kleidungstechnisch, dass uns dieser Herbstregen tatsächlich nicht zu sehr aus der Bahn wirft.

Maik Meid Aber ich hörte davon, dass du in deiner Freizeit sehr gerne Vespa fährst.

Andreas Schiemenz Ja, das kann ich jetzt leider nicht machen, weil es tatsächlich regnet. Siehst du? Das ist der einzige Nachteil. Aber ich bin tatsächlich daheim und habe ein paar freie Tage, weil wir Hamburger gerade Herbstferien haben. Und ich finde das Wetter deshalb herrlich, weil ich genügend Buchstoff habe, was ich lesen kann während dieser freien Tage. Also ich kann mich mit der Familie einigeln, wir können gemeinsam Filme schauen und was ich unheimlich gerne mache neben dem Vespa fahren ist natürlich lesen.

Maik Meid Das heißt das wirklich schön frei und umso mehr dankbar bin ich dafür dass du dir hier die zeit nimmst denn im prinzip ist das ja schon fast eine replik ne also erstmal punkt eins du warst hier schon mal ich hab aber vergessen zu gucken wann kannst du dich erinnern haben wir glaube ich auf dem fundraising kongress zusammengestanden und ich hab dir auch ein headset auf den kopf gesetzt das muss bei so einer morgenshow von einem fundraising kongress radio gewesen sein.

Andreas Schiemenz Ja ich weiß nicht ob es noch in Magdeburg oder in Fulda war oder in Berlin.

Maik Meid Also Magdeburg war weit vor meiner Zeit ich tatsächlich ich bin kongressmäßig ja nur kenne ich noch Fulda und und Berlin und letztendlich Kassel und das war in Kassel das weiß ich noch und es ging auch im Großspenden, weil du ja ein Mensch bist der sich in Großspenden fand wer sich ja auch Namen gemacht hat dazu kommen wir aber gleich und da ging es glaube ich auch so ein kleines Streitgespräch ich suche die Folge nochmal raus, Und verlinkt die tatsächlich hier, aber die ist wirklich auch schon hoffentlich in Würde gealtert.

Andreas Schiemenz Ja ich denke und zum Glück ja ohne Bild insofern hoffe ich nur, dass der Inhalt sich nicht geändert hat.

Maik Meid Wenn ich dich vorstellen müsste würde ich sagen naja ein Mensch, Vorstellung du bist Fundraiser, du bist Großspenden Fundraiser, aber dann auch wiederum gewesen, weil sich so dein Weg ja auch so ein bisschen verändert hat hinsichtlich in der Philanthropie, aber als Großspendenpfandfelser warst und bist du aus meiner Sicht einer der streitbaren mit Ansätzen, die durchaus andere Menschen anders sehen. Stell dich doch bitte erst mal selber vor für diejenigen, die das vielleicht zum ersten Mal deine Stimme hören.

Andreas Schiemenz Ja, also ich bin Andreas Schiemens und wie ihr schon gehört habt, mit Leib und Seele Norddeutscher. Und wohne seit vielen, vielen Jahren mit zehn Jahren Unterbrechung tatsächlich in Hamburg. Die zehn Jahre Unterbrechung waren in meiner Berliner Zeit. Dort habe ich unter anderem das Fundraising für den Verein für Berliner Stadtmissionen aufgebaut und das Fundraising der Johanniter Unfallhilfe im Bundesverband geleitet und habe mich in dieser Zeit tatsächlich sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, wie entwickeln sich Spendenmärkte und insbesondere einen Blick geworfen auf den Bereich der Mittel- und Major-Donor, also der Mittleren- oder Großspenden, weil es da lange Zeit überhaupt gar kein Zahlenmaterial dazu gab. Und weil mich irgendwann die Sehnsucht und die Familie wieder zurück nach Hamburg gebracht hat, habe ich hier dann im Wealth-Management der norddeutschen Landesbank, der damaligen HSA Nordbank, den Bereich der Philanthropieberatung aufgebaut und konnte dann tatsächlich einen tiefen Einblick in die Welt der Philanthropinnen und Philanthropen werfen und konnte auch sehen wie viel Potenzial dort ist, was deren Herausforderungen sind und wie Fundraising in dieser Klientel eigentlich funktionieren müsste.

Maik Meid Du bist tatsächlich Ur-Hamburger, habe ich das richtig verstanden?

Andreas Schiemenz Nein, ich komme aus der Nähe von Hannover, ich bin Niedersachse. Aber wir Niedersachsen sind ja auch noch norddeutsch.

Maik Meid Ich glaube, ab da beginnt es. Ich habe ja mal am Wien-Gebirge gelebt für ein paar Jahre und im Prinzip beginnt hinter dem Wien-Gebirge die norddeutsche Tiefebene und die Leute haben immer gesagt, na, dahinter endet im Prinzip Westfalen, danach ist nur noch Nordsee. Das stimmt.

Andreas Schiemenz Ich bin tatsächlich in Weserberg lang aufgewachsen und zwar direkt am Deister und der Deister liegt ja südlich von Hannover und nördlich vom Deister beginnt tatsächlich die norddeutsche Tiefebene. Und immer, wenn ich aus dem Süden Richtung Norden fahre und so hinter Hildesheim bei Hannover der weite Blick beginnt, dann macht mein Herz immer noch einen kleinen Hüpfer.

Maik Meid Meine Oma hätte jetzt gefragt, hast du denn eigentlich auch was Vernünftiges gelernt, Junge?

Andreas Schiemenz Nee, der Junge hat nichts Richtiges gelernt. Der hat nämlich studiert, Volkswirtschaftslehre. Ich habe zwar vorher Industriekaufmann gelernt.

Maik Meid Ist doch was. Guck mal, meine Oma hätte das jetzt erfreut. Das ist doch mal so ein Handwerkszeug, da kannst du doch was mit anfangen.

Andreas Schiemenz Ja, meine Oma hat gesagt, Junge mach was ordentliches, wovon du später auch leben kannst und dich selber ernähren kannst und sie dachte dann eher so an so handwerkliche oder landwirtschaftliche Berufe. Insofern ist so das Studium und die Studierten bei uns in der Familie nicht unbedingt das Vorbild.

Maik Meid Und wie kam dann der Rutsch ins Fundraising? Das ist ja gefühlt bei 95 Prozent aller Kolleginnen und Kollegen nicht geplant gewesen.

Andreas Schiemenz Ja, bei mir auch nicht, weil ich während des Studiums, ich bin über den zweiten Bildungsweg in die VWL geraten und ich immer arbeiten musste und habe dann auch tatsächlich schon seit 1974 im Vertrieb gearbeitet und fand tatsächlich, diese Leidenschaft für den Vertrieb, die hat mich immer getragen, also mit Menschen zu sprechen, mit Menschen in Dialog zu treten und mit Menschen auch etwas gemeinsam zu gestalten, also zu arbeiten. Das ist ja so eine der wichtigsten Herausforderungen im Vertrieb. Und das war der eine Grund, warum ich ins Fundraising geraten bin. Der andere Grund war, ich habe während des Studiums ein Jugendzentrum in Hamburg-Bahrenfeld gegründet. Und dort haben wir unter anderem mit Arbeiterkindern, also mit Kindern aus meiner Klientel, über das Thema Bildung und über das Thema Hochschulen gesprochen, weil ich fand damals, dass zu wenige Arbeiter Kinder an den Hochschulen studieren. Das war so der eine Weg in die Zivilgesellschaft. Und das andere war tatsächlich irgendwann so die Frage, was macht denn einen guten Vertrieb aus? Liegt es an der hochwertigen Qualität der Produkte oder an der Qualität der Verkaufenden? Oder hat das sehr stark was mit Emotionen zu tun? Und ich war schon recht früh davon überzeugt, dass Vertrieb und zwar egal in welcher Branche sehr Emotionales und habe mir eigentlich immer irgendwann ein Produkt gesucht, das ausschließlich aus Emotionen besteht. Und da muss man jetzt zwangsläufig, Maik, ins Fundraising geraten.

Maik Meid Ich habe noch so eine Erinnerung, das fällt mir jetzt gerade ein, wo du das Wort Vertrieb gesagt hast. Irgendwas mit Gummimatten? Ja, genau. Das war ursprünglich deine Thematik, oder?

Andreas Schiemenz Otto Golze und Söhne, große Tüten, kleine Löhne. Das war der Slogan der Firma, in der ich meine Ausbildung gemacht habe.

Maik Meid Klingt nach Loméon.

Andreas Schiemenz Ein harmelnder Traditionsunternehmen. Und tatsächlich haben die unter anderem Fußmatten hergestellt und Automatten. Und es gibt immer noch in Industriegebäuden, gibt es so diese wabenartigen Gummi-Matten, die überall liegen, die Löcher-Dinger und da habe ich tatsächlich den Vertrieb in meiner Ausbildung mit gestartet. Und das ist heute noch großartig, wenn ich über diese Matten laufe, dann weiß ich nicht, ob ich die damals schon verkauft habe, ob die so lange gehalten haben, aber es erdet mich mit all dem, was ich tue, doch immer wieder.

Maik Meid Jetzt stehst du, oder ich meine dich jetzt nicht despektiert, ich will nicht sagen, vielleicht standest du auch, weil du dich ja da auch massiv weiterentwickelt hast, aber du standest eine gewisse Zeit lang sehr sehr intensiv für das Thema Großspenden und Fundraising. Und wenn du sagst, du bist jetzt ins Fundraising reingerutscht, aber doch auch nicht sofort in die großen Gaben, oder wie war das bei dir?

Andreas Schiemenz Nein, tatsächlich war es so, dass bei meinem ersten Job bei der Stadtmission das Thema Großspenden sich ausschließlich der Vorstand vorbehalten hat. Das ist eine Situation, das war Ende der 90er, die sich erstaunlicherweise in vielen Organisationen offensichtlich heute noch nicht geändert hat. Das heißt, der Stadtmissionsdirektor damals hat für sich tatsächlich den Anspruch gehabt, alle Großspenden koordiniert macht er grundsätzlich allein. Insofern war ich in dem Job noch gar nicht im Bereich Großspenden, aber als ich dann später bei der Johanniter Unfallhilfe war und ich gesehen habe, wie sich unser Spendenvolumen aufteilt und, wie hoch der Anteil der Großspenderinnen und Großspender tatsächlich ist und dass wir damals noch weit weg von Pareto waren, also 80 Prozent der Spenden von 20 Prozent der SpenderInnen, da habe ich gedacht, Mensch, eigentlich muss ich mehr über das Thema Großspenden wissen. Und du kennst ja die Zahlen der GfK auch, die Marktzahlenbilanz des Helfens, da wissen wir so ziemlich alles über Normalspenden.

Maik Meid Aber nichts über Großspenden.

Andreas Schiemenz Genau, und für mich war immer die Frage, ist das eigentlich ein Segment, in dem es noch Wachstum gibt und wenn ja, in welcher Art oder wenn es kein Wachstum gibt, wie sieht die Wettbewerbssituation aus? Und das hat mich dann relativ stark geprägt und da ich ohnehin im Vertrieb eine große Leidenschaft für das Key-Accounting hatte, also gerade so für die 1 zu 1 Beziehung zu großen Umsatzträgerinnen, war das natürlich dann ein Thema, wo ich gedacht habe, da muss ich einfach tiefer rein und habe dann gemeinsam mit den Kollegen, die das Großspenden-Fundraising in meiner Abteilung verantwortet haben, mich mit diesem Thema intensiver beschäftigt und Strategien entwickelt. Immer so mit dem Gefühl, wir wissen aber noch nicht so wirklich alles über den Markt. Vertrieb und Fundraising

Maik Meid Der Begriff Vertrieb oder auch dein vertrieblicher Ansatz ist irgendwie ein Weg im Großspendenverhandlingswesen, eine Ausrichtung, der auf gut rohgebietsdeutsch bei einigen durchaus Pickel verursacht, weil er sich auch sehr unterscheidet von den anderen. Da kann man sagen, es gibt da verschiedene Ausrichtungen. Warum glaubst du ist das so? Warum reagieren Menschen aus unserer Branche immer so ein bisschen allergisch auf den Begriff Vertrieb?

Andreas Schiemenz Naja, ich glaube, dass wir eine sehr romantische Vorstellung von unseren Spendenden haben und ich glaube, dass wir auch im Fundraising zu Recht sehr vorsichtig sind, wenn es um die Ansprache, die Bindung, die Gewinnung von Spenderinnen und Spendern geht. Also wir müssen, glaube ich, anders als im Finanzvertrieb vielleicht sorgfältiger mit den Menschen in Interaktion treten, die uns unterstützen können. Ich glaube, dass aus dieser Vorsicht heraus so die eine Alarmglocke schrillt, wenn man das Wort Vertrieb hört. Das Zweite ist, glaube ich, als ich damals in das Fundraising hineingeraten bin, kamen die meisten Kolleginnen und Kollegen nicht aus dem Vertrieb, sondern kamen aus anderen Ausbildungsbereichen, sei es SozialarbeiterInnen, sei es KulturwissenschaftlerInnen oder Entwicklungshilfe. Und in diesem Bereich ist, wie fast immer in der Gesellschaft, Vertrieb nicht unbedingt wohl gelitten. Sodass dieser Blick auf den Vertrieb für viele auch deshalb schon mal unangenehm ist, weil die meisten von uns auch vielleicht gar keine guten Erfahrungen mit Verkäuferinnen und Verkäufern gemacht haben.

Maik Meid Wie erklärst du dir dann, dass, ich sag mal gerade so in Ausbildung bei einer Fundraising-Akademie, an der du ja auch beteiligt bist, durchaus die Situation entsteht, sagen wir mal oft, dass Menschen, die klassisch im Vertrieb gelernt und gearbeitet haben, Dann sagen so ich möchte jetzt was mit Sinn machen und dann in die Fundraising Qualifizierung gehen und sagen naja Vertrieb kann ich und jetzt ziehe ich mir halt nur noch das bisschen Gemeinnützigkeitsrecht und so ein bisschen Fachwissen rein was Fundraising ist und da aber schon in einem nicht geringen Maße irgendwie auf der Schnute landen und dann sagen okay ich habe es verstanden ist es doch mehr als das Anpassen von meinen vertrieblichen Kenntnissen auf die Gemeinnützigkeit. Warum ist dann der Umkehrschluss so schwierig? Also Vertriebe ins Fundraising zu holen?

Andreas Schiemenz Ja, also ich glaube tatsächlich, dass gerade die Menschen, die aus der Wirtschaft in die Zivilgesellschaft wechseln wollen, dass ja, wie du schon gesagt hast, Maik, sagen, wir wollen was Sinnvolles tun, was sinnstiftendes. Und das hat häufig damit zu tun, dass der Job, den sie hatten, nicht wirklich wertschätzend und nicht wirklich menschenorientiert war. War. Also wir erleben gerade in bestimmten Wirtschaftszweigen, dass es dort sehr seltsame Vorstellungen von Vertrieb gibt. Und da geht es um Umsätze, da geht es um Abschlüsse und da geht es gar nicht so sehr um Beziehungspflege, da geht es gar nicht so sehr um Relationship Management. Und im Fundraising sind wir ja aufgrund unserer… Knappen Budgets darauf angewiesen, eine Beziehung so sorgfältig vorzubereiten, dass sie über eine lange Zeit Bestand hat und wir nicht nur auf die Abschlüsse gucken, sondern dass wir Großspenderinnen und Großspender vielleicht über 5, 6, 7, 8, 9, 10 Jahre bis hin vielleicht sogar zum Testament begleiten. Und das ist etwas, was in einigen Branchen tatsächlich nicht umgesetzt wird. Das heißt, wir erleben dort häufig Menschen, die noch anders sozialisiert wurden im Vertrieb, als wir es im Fundraising brauchen. Und das ist, glaube ich, der Grund, warum sie dort manchmal auf die Nase fallen. Aber es gibt auch noch einen anderen Grund. Viele fallen ja auch erst in der Organisation auf die Nase und nicht schon in der Ausbildung. Und das liegt einfach daran, dass es in vielen Organisationen für Fundraising keine wirkliche Akzeptanz gibt und schon gar nicht für so einen aktiven Ansatz. Wir gehen gezielt auf unsere Zielgruppen zu und sprechen mit denen, tauschen uns aus und bieten denen konkret Spendenprojekte Das wird ja auch nicht in allen Organisationen gewertschätzt. Sinngeber - Famliy Office

Maik Meid Danke dir für den Einblick. Ich wollte eigentlich heute äußerst, also eigentlich weniger über die Seite der Fundraiserinnen und Fundraiser sprechen, sondern eigentlich eher auf die Seite der Geberinnen und Geber schauen. Lass uns einmal ganz kurz nochmal gucken, du warst bei der HSH Nordbank, bist dann da weg. Ich glaube da gab es ja auch damals auf der Bank immer so ein paar Querelen. Also gibt es die Bank eigentlich? Da war auf jeden Fall mal was, so vor einigen Jahren. Und wie ging es dann bei dir weiter, bis du dahin gekommen bist, wo du warst?

Andreas Schiemenz Also tatsächlich bin ich in die HSA Nordbank nach der Finanzkrise erst gegangen. Die Finanzkrise war ja 2008, ich bin auch erst 2011 in die Bank und hatte dort wirklich das Glück, dass die Bank komplett durchgerüttelt war und wirklich hart im Krisenmodus und ich die Chance hatte in dieser schwierigen Zeit für die Bank neue Geschäftsfelder zu. Eröffnen, also die Philanthropieberatung. Und das war eine wahnsinnig großartige Chance für mich, weil ich auf einmal den tiefen Einblick hatte ins Wealth Management, also in das Banking mit den Hochvermögenden. Wie arbeitet so eine Bank? Wie baut die ihre Kundenbeziehung auf? Was ist die Rolle eines Bankmitarbeiters gegenüber den Hochvermögenden? Denn wenn ich multimillionäre oder milliardärinnen berate muss ich ja nicht selber multimillionär oder milliardär sein aber ich muss eine klare rolle haben das war etwas was ich in der bank wahnsinnig lernen konnte insbesondere aber auch wie messen wir vermögen wie messen wir philanthropisches kapital also ich konnte tatsächlich auch dann den markt für mich erschließen also auch für das thema fundraising weil mich immer interessiert hat was was bewegt eigentlich den Menschen auf der anderen Seite. Und so bin ich dann tatsächlich auch, Maik, seit fast drei Jahren kein Fundraiser mehr, sondern Philanthropieberater und habe tatsächlich so ein bisschen die Seiten gewechselt, um tatsächlich vermögende Menschen zu helfen, sich stärker philanthropisch zu engagieren.

Maik Meid Ich würde da jetzt widersprechen und würde sagen, du hast überhaupt nicht die Seiten gewechselt. Wenn man sich die Definition von Fundraising anschaut, dann liegt das ja sehr nah. Also ich frage immer wieder Kolleginnen und Kollegen, was ist denn Fundraising für dich? Einfach auch für die Ausbildungsgänge, so wie definierst du es eigentlich? Und da habe ich eine Sache auch immer auf meinen Impulsen, da steht drin, Fundraising ist die Vermittlung zwischen Nehmenden und Gebenden, so eine Relais-Funktion zu haben. Und das sehe ich ja dann in so einer Position, so was wärst du ja im Prinzip oder verstehe ich Philanthropieberatung an der Stelle falsch?

Andreas Schiemenz Nein, also das sehe ich ganz genauso wie du auch. Vielleicht gibt es da unterschiedliche Definitionen. Wir haben ja vor drei Jahren mit Sinngeber ein Family Office gegründet, das sich für das Thema Philanthropie einsetzt. Oder andersrum, wir machen nur philanthropische Themen, weil wir der Überzeugung sind, wenn wir die gebende Seite stärker motivieren, um die nebende Seite, also die Zivilgesellschaft zu stärken, dann hilft das der Gesellschaft extrem. Das heißt, wir wollen gar nicht so sehr, dass unsere Klienten, Mandanten Stiftungen gründen, sondern wir wollen eigentlich, dass dieses Geld bei den NGOs landet, weil viele, viele Organisationen wahnsinnig tolle Projekte haben und somit tatsächlich ein Know-how, dass neue Gründungen überhaupt nicht nacharbeiten, nachholen können. Also ist es genau unsere Aufgabe, dass wir das Geld von A nach B oder von Wirtschaft in Non-Profit. Ja, fließen lassen. Ich glaube, das ist genau die Definition, die wir haben. Wir wollen eben die Zivilgesellschaft stärken.

Maik Meid Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob wirklich jeder Mensch, der das hier hört, weiß, was ein Family Office ist. Kannst du da nochmal was zu sagen?

Andreas Schiemenz Ja, ein Family Office ist tatsächlich etwas, was in Deutschland noch gar nicht so lange existiert. Erst seit 25, 30 Jahren. Und es ist so, dass vermögende Familien in aller Regel ein sogenanntes Single-Family-Office haben, in dem ihre gesamten Finanzangelegenheiten geregelt werden. D.h. die holen sich Expertinnen und Experten, die dann die Kapitalanlagen, die Unternehmensbeteiligung und all diese Themen für diese Familien steuern. Das tun sie aus dem Grunde heraus, dass sie eine maximale Unabhängigkeit zu den einzelnen Banken haben möchten und eine Expertise brauchen, die auch die Möglichkeit gibt, die jeweiligen Angebote der Banken zu überprüfen und zu optimieren. Das ist die klassische Aufgabe eines Family Offices. Und es gibt aber auch Multi-Family Offices, die verschiedene, also mehrere Familien betreuen. Und wir selber sind quasi auch ein Multi-Family Office für mehrere Familien. Und in diesen Family Offices gibt es bestimmte Schwerpunkte. Es gibt Family Die können sehr gut Vermögensverwaltung, andere können sehr gut Immobiliengeschäfte, dritte vielleicht Unternehmensbeteiligung. Und unser Schwerpunkt ist tatsächlich das Thema Philanthropie, das Thema Geldverschenken.

Maik Meid Wenn du sagst wir, dann meinst du die Sinngeber. Wer sind die Sinngeber? Wer ist das? Wie viele sind das? Wie muss ich mir die Arbeit bei euch vorstellen?

Andreas Schiemenz Wir sind noch ein Start-up, wir sind ein kleines Unternehmen mit sieben Mitarbeitenden und sind gegründet worden tatsächlich von einem Philanthropen aus Baden-Württemberg, der, vor Jahren schon den Gedanken hatte, etwas tun zu müssen, damit sich mehr philanthropisches Engagement im deutschsprachigen Raum entwickelt. Und das war zu einem Zeitpunkt, in dem ich auch gedacht habe, ja man muss so etwas wie ein Family Office nur für Philanthropie aufbauen, in dem sich verschiedene Familien miteinander austauschen, vielleicht auch ihr philanthropisches Kapital bündeln, um sich dann tatsächlich gemeinsam für zentrale Themen einzusetzen. Weil ich tatsächlich glaube, dass an vielen Stellen einzelne Projekte von NGOs nicht ausreichen, um philanthropisches Kapital anzulocken oder zu binden, sondern ich glaube, dass Philanthropinnen und Philanthropen auch über Projekte hinausdenken, also eher in Themen als in einzelnen Projekten. Und so ist dann die Sinngeber GGMBH entstanden. Wir sind eine gemeinnützige Gesellschaft, weil wir tatsächlich der Zivilgesellschaft dienen wollen.

Maik Meid Und auch wenn ihr gemeinnützig seid, im Prinzip müsst ihr ja Umsatz erwirtschaften, um zumindest eure Mitarbeitenden zu bezahlen und die Ziele zu verfolgen, die in Ersatzung stehen. Ihr werdet dann sicherlich nicht provisionsmäßig am Vermögen bezahlt, sondern an den tatsächlichen konkreten Dienstleistungen, Vermittlungsdienstleistungen, Beratungsdienstleistungen, die ihr verbringt.

Andreas Schiemenz Ja, also genau so ist es. Es gibt Honorare, es gibt aber auch Bereiche, die gefördert werden. Also wir erhalten auch von anderen Stiftungen tatsächlich auch Fördermittel und Zuwendungen, um bestimmte Bereiche aufzubauen. Beispielsweise sind wir dabei, schon seit zwei Jahren, dass wir Netzwerke aufbauen von philanthropisch interessierten Familien. Und diese Netzwerke müssen natürlich auch dann sich treffen, da müssen sich die Menschen austauschen und alles das, was dort entsteht, wie beispielsweise auch eine Netzwerkveranstaltung, die wir Marketplace nennen, was ein Giving Circle ist, in dem einfach verschiedene Familien zusammensitzen und sich gemeinsam philanthropische Projekte aussuchen. Solche Dinge werden von uns über Fördermittel finanziert. Sonst ist es tatsächlich so, dass wir Honorare bekommen für die Entwicklung von philanthropischen Strategien oder tatsächlich auch ein kleines Entgelt dafür, wenn wir philanthropische Mittel vorübergehend verwalten, weil es häufig ja auch so ist, Maik, dass Familien vielleicht durch Unternehmensverkäufe oder Exit-Strategien hohe Kapitalzuwächse haben und dann sagen, gut, dieses Geld würden wir jetzt gerne spenden. Wir wissen aber noch gar nicht genau, wohin das Geld gehen soll, also brauchen wir erstmal ein bisschen Zeit, brauchen aber die Spendenbescheinigung, damit die Steuer darauf nicht fällig wird sofort, damit wir 100% tatsächlich in die Gemeinnützigkeit geben können. Und dafür haben wir auch Instrumente und Optionen erarbeitet und wenn dort Geld angelegt wird, dann kriegen wir tatsächlich eine kleine Vieh von diesem Betrag. Die Welt der Reichen

Maik Meid Nimm uns doch mal mit wirklich in die Welt der Reichen und Schönen, hätte ich fast gesagt. Ich bediene mich immer ganz gerne eines Zitats von dir. Vermutlich wandle ich es irgendwie auch schreckerweise immer ein bisschen ab, aber ich sage immer, dass es von dir kommt. Habe ich nämlich selber mal in einem Seminar von dir gehört und du sagst mal naja, wenn wir über reiche Menschen reden, stellen sie sich doch jetzt mal reiche Leute vor, so haben sie die in ihrem Kopf und dann machen sie nochmal hinten eine Null dran, was das Konto angeht. Haben sie und dann machen sie sich vielleicht nochmal eine Null hinten dran so und dann kommen wir so langsam in diesen Bereich, über den wir reden wollen. Ich finde diesen Ansatz finde ich total charmant und finde ihn einfach auch sympathisch, weil das dann sofort auch so ein bisschen klar macht, wo wir uns eigentlich als Menschen mit einem mittleren Einkommen irgendwo befinden. Mein Beispiel vorhin aus dem Intro mit dieser zugegebenermaßen sehr wohlhabenden Frau war ja bewusst negativ gewählt. Wieso kommt das, dass bei vielen Menschen, wenn wir über das Wort Vermögend reden, sofort, ich will nicht sagen eine Abneigung haben, das geht vielleicht zu weit, aber zumindest erstmal das Thema Vermögend doch recht kritisch sehen bis hin zu kompletter Ablehnung. Ich habe heute Morgen noch ein Tröd auf Mastodon gelesen, wo unten mal drin stand, wir können uns die Milliardäre in Deutschland eigentlich gar nicht mehr leisten. Also woher kommt dieser Split? Ist das Neid? Ist das eine Kulturfrage? Hast du da eine Antwort drauf?

Andreas Schiemenz Ja, ich versuche mal eine Antwort zu formulieren, aber dieses Beispiel mit den Nullen, das muss ja schon lange her sein, weil ich damals tatsächlich durch die Welt gezogen bin, weil ich gemerkt habe, dass unsere Kolleginnen und Kollegen im Fundraising überhaupt keine richtige Einschätzung hatten, wie viel philanthropisches Potenzial ihre Großspenderinnen hatten und dann über 10, 20, 50.000. Euro gesprochen haben und sich gar nicht vorstellen konnten, dass auch jemand 5 Millionen Euro spenden kann. Das hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise etwas geändert, insbesondere dadurch, dass natürlich auch durch die Zahlen, durch die Veröffentlichung der 500 reichsten Deutschen, was ja jetzt gerade auch im Oktober wieder im Manager-Magazin erschienen ist, wir erstmal einen anderen Blick auf die Vermögenssituation dieser Gruppe haben. Ich glaube auch erst seit einigen Jahren wir diese Gruppe der Hochvermögenden im Fundraising auch erst in den Blick genommen haben. Und ich glaube auch die Erfahrung, dass 10% vielleicht des Einkommens oder 1% vom Vermögen gespendet werden kann, auch etwas ist, was damals die Kollegin noch gar nicht wussten. Ich glaube, das war deshalb für mich wichtig, diese Erkenntnis aus meiner Arbeit im Banking auch mit der Szene zu teilen. Jetzt aber zu deiner Frage und deinem Beispiel der Düsseldorferin, die ganz stolz auf ihre Dachterrasse auf der Kö war. Ich glaube, wir erleben natürlich vermögende Menschen sehr stark durch die Brille von Medien. Also es gibt ja auf RTL 2, glaube ich, die Geissens, die man ja…

Maik Meid Ich laufe rot an, ich muss immer sagen, ja, ich habe davon schon gehört, ich weiß nicht, ich habe es nie gesehen.

Andreas Schiemenz Kann man so den prolligen Konsum einer Familie hautnah angeblich erleben? Wir lesen natürlich beim Friseur nur die Gala und die Bunte, wo wir sehen, wie reiche leben und welchen unvorstellbar großen Palästen sie sind. Und wir lesen natürlich auch die Mega-Yachten von Bezos oder von Musk und all diese Themen. Dass jemand für 400 Millionen Euro sich eine Motorjacht in den Swimmingpool legt. Das sind so die Dinge, die uns im Alltag tatsächlich mit den Hochvermögenden in Verbindung bringen. Dann sind die natürlich auch ein bisschen durchgeknallt. Dann bauen die Raketen und wollen als Erster auf dem Mars sein. Und all diese Ideen, die wir tatsächlich in den Medien lesen. Wenn wir uns jetzt aber mal die Vermögenden in Europa anschauen, dann sind das in aller Regel Familien, die fast immer aus dem Bereich der Industrie kommen und über Generationen hinweg tatsächlich auch ihre Unternehmen erfolgreich aufgebaut und gehalten haben. Das sind dann eben Familien, die Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen haben und gehalten haben. Das sind Familien, die lesen wie eben nicht in der Yellow Press. Da sehen wir keine Doku drüber. Das sind dann eben vielleicht Familien, die kennen wir, weil sie den bekannten Namen haben. Nehmen wir mal so. Vier Norddeutsche, das ist einmal Otto, die haben ja quasi Amazon erfunden, nur als Katalog, als es noch kein Internet gab. Das ist die Familie Balsen, die kennen wir mit den Keksen. Das ist die Familie Rossmann, Drogeriemärkte oder Kindhörgeräte. Das sind ja die Vermögenden in Deutschland. Menschen, die hart arbeiten, die eine Verantwortung haben für ihren Erfolg, eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden und tatsächlich auch, glaube ich, ein Eckpfeiler der Wirtschaft und der Gesellschaft in diesem Land sind. Also etwas ganz, ganz anderes als die Menschen, die du jetzt beschrieben hast.

Maik Meid Aber du hast ja, du verbindest ja mit diesen Menschen auch Produkte, die in meinem Alltag vorkommen. Das heißt, ich habe eine Verbindung, aber es gibt ja auch genügend, sagen wir mal, Hidden Champions, wo Produkte auf einmal, wo Menschen durch Produkte auch vermögend geworden sind, mit denen ich im Alltag zwar regelmäßig zu tun habe, aber mit denen, die mir nicht auffallen. Was weiß ich, Kugellager in irgendwelchen Schubladen oder so, ne?

Andreas Schiemenz Oder Bremsen. Also Knorr Bremse zum Beispiel. Also ich habe gerade einen spannenden Podcast über die Familie und die Familienstreitigkeiten gehört, nachdem der Patriarch gestorben ist. Also es gibt tatsächlich auch diese Hidden Champions, die wir gar nicht wahrnehmen. Und die haben wir alle in unserer Nachbarschaft, also in jedem Ort, in jeder Kleinstadt, in jeder Region gibt es Unternehmerfamilien, die seit Jahrzehnten schon dort wirklich eine feste Größe sind und Arbeitsplätze und Steuern und soziale Dinge unterstützen. Und das ist, glaube ich, der Blick, den ich auf meine Vermögen habe. Ich muss allerdings auch mal sagen, wir haben relativ wenig mit Düsseldorfer oder Berliner oder Hamburger Schickimicki zu tun, sondern fast in aller Regel mit Menschen, die einen sehr reflektierten Umgang und einen sehr reflektierten Blick auf ihre wirtschaftliche Situation haben.

Maik Meid Das wäre jetzt nämlich auch eine Frage, wo ich auch nochmal ins Klischee-Töpfchen packen möchte. Wenn man von vermögenden Menschen spricht, dann ist auch ein weiteres Klischee, dass sie sich ja im Prinzip nur um sich selber kümmern und darum, noch reicher zu werden. Jetzt kommst du mit einer Philanthropieberatung und mit einem Sinngeber-Family-Office, Kann man doch auch sagen, na ganz ehrlich, das interessiert doch von den vermögenden Menschen überhaupt niemanden. Das ist doch ein Feigenblättchen, euch da mal zu engagieren und so ein bisschen da mal was Gutes zu tun. Wie schätzt du denn da so wirklich die Realität ein? Wie viele Menschen, die wohlhabend sind, wenn man das überhaupt über einen Kamm scheren kann, haben wirklich reales Interesse daran, mit ihrem Geld auch was Gutes zu tun?

Andreas Schiemenz Also ich glaube tatsächlich, dass sich das philanthropische Engagement über alle Einkommensklassen gleich verteilt. Also ich glaube, dass vermögende Menschen nicht unbedingt weniger philanthropisch sind, als es nicht vermögende Menschen sind. Ich glaube, dass ein großer Teil der Menschen, die reich sind, egal wie wir das jetzt definieren, also mehr als die Hälfte, ich würde sogar sagen 75 Prozent, sich immer wieder auch sozial engagieren mit Geld, unterstützen und Projekte unterstützen. Wenn man sich jetzt aber die Frage stellt, wer ist denn im Kern philanthropisch, also wer hat denn für sich den Anspruch auch wirklich mit dem Vermögen, das die Familie durch das Unternehmertum sich erarbeitet hat, dieses Vermögen auch für die Gesellschaft einzusetzen, dann würde ich tatsächlich sagen, das sind etwa 40 Prozent der vermögenden Familien, die das tatsächlich tun. Und sie tun das in aller Regel übrigens nicht laut und sichtbar, sondern tatsächlich eher leise und versteckt. Denn gerade die Familien, mit denen wir arbeiten, die sagen auch, wir wollen gar nicht, dass die Menschen das alles wahrnehmen. Denn wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir das Thema Philanthropie als ein Feigenblatt vor uns her tragen, sondern es ist uns ein tiefes Anliegen. Mein Stifter zum Beispiel, der uns mitgegründet hat, hat mal gesagt, dass er so erzogen ist, dass das Vermögen der Familie nicht für den eigenen Luxus gedacht ist, sondern die Verantwortung, die man dafür hat, für die Gemeinschaft, für die Gesellschaft, für die Mitarbeitenden, für die Kunden, für die Lieferanten, das ist das Zentrale und nicht der eigene Luxus. Und deshalb habe ich relativ selten mit Menschen zu tun, die diese Megajachten haben, Raketen haben oder sich dann irgendwie in einem 500.000 Euro Auto fortbewegen. Das sind wirklich hart arbeitende Menschen, die eigentlich rund um die Uhr für ihr Unternehmen, für ihre Verantwortung da sind und auch sich selber sagen, wir haben gar nicht die Zeit oder die Muße uns um philanthropische Themen so intensiv zu kümmern, wie wir es gerne möchten. Und dann macht es natürlich Sinn, sich Expertise von außen dazu zu holen.

Maik Meid Ja, aber früher war es doch so, dass du als Unternehmen, wenn du erfolgreich warst, entweder als Unternehmen selber oder als Unternehmerfamilie, hast du eine Stiftung gegründet und gut war es, vielleicht auch eine zweite. Ja, so, die hat dann schon den Namen der Firma gehabt oder vielleicht auch noch einen Fonds darunter gesetzt, was auch immer. Ist das jetzt komplexer geworden oder warum sieht das jetzt anders aus?

Andreas Schiemenz Ja, es ist sicherlich komplexer geworden. Und zum anderen, wenn wir von früher reden Und dann sind wir wieder bei unseren Großmüttern, Maik. Na ja, ganz früher gab es ja gar nicht so viele Stiftungen, sondern da war klar, da musste die Kirche im Ort renoviert werden. Und natürlich haben die Unternehmerinnen und Unternehmer im Ort für die Renovierung der Kirche Geld gegeben. Oder es brauchte ein neues Gemeindehaus. Dann wurde eben Geld auch von diesen Familien gegeben. Also wir haben gerade in Deutschland schon eine sehr, sehr lange Tradition von Verantwortung von Unternehmerinnen und Unternehmern für die Gemeinschaft. Gemeinschaft. Das hatten wir auch schon weit bevor es Stiftungen gab. Und dann hatten wir diesen Stiftungsboom, der in den 2000ern angesetzt hat und für viele Menschen es einfacher wurde, Stiftungen zu gründen. Doch mittlerweile kannst du dein Geld ja nicht nur über eine Stiftung verteilen, sondern du hast ja unendlich viele Möglichkeiten, dich zu engagieren. Du kannst an NGOs spenden, du kannst eben Stiftungen gründen, du kannst Venture Philanthropie machen, du kannst Unternehmen unterstützen, du kannst Start-ups gründen. Es ist so bunt und so vielfältig. Das ist tatsächlich mehr als nur eine eigene Stiftung und selbst wenn du eine eigene Stiftung hast, Maik, musst du ja auch Zeit investieren in diese Stiftung und Zeit, die vielleicht meine Klientel nicht immer hat und so wie sie sich relativ wenig um die eigene Vermögensverwaltung kümmern kann, weil die unternehmerische Verantwortung im Mittelpunkt steht, so wenig können sie sich dann auch um das Thema Philanthropie kümmern Und dafür braucht es unabhängige Expertise.

Maik Meid Bei meinem bislang größten Fundraisingprojekt, was ich damals als Fundraiser betreut habe, gab es eine Stiftung, die hat dieses Projekt auch über viele Jahre mit einer siebenstelligen Summe unterstützt. Und die Seniorchefin dieser Stiftung, die auch aus einem mittelständischen Unternehmen entstanden ist, aber wie gesagt sehr vermögend war, kam dann auch regelmäßig und hat sich dann so die Fortschritte angeschaut. Und die wurde dann wirklich ganz klischee mäßig, also wirklich die Grand Dame des Unternehmens als auch der Stiftung und die wurde wirklich ganz klischee mäßig dann auch mit Chauffeur gebracht und dann auch mit Privatsekretärin dabei und wurde dann also auch begleitet. Die war wirklich sehr zuvorkommend, hat sich wirklich sehr auch eingesetzt dafür, die war damals schon glaube ich weit über 80, ich hoffe sie lebt noch wirklich. Aber auch das war sehr konservativ. Also wirklich auch da Klischees erfüllt. Also kommt der Chauffeur, er sitzt hinten drin, wird die Tür aufgemacht und dann kommt die Sekretärin von hinten und dann wird über das Gelände geführt und so weiter und so fort. Ist das eine Kultur, die sich verändert im Laufe der Zeit? Sagst du, das ist noch die tatsächlich alte Garde, da lockert sich gerade was auf, weil vielleicht auch viele Menschen jetzt nicht nur durch lange Zeit vermögend geworden sind, sondern du hast das Wort Startup ja auch schon erwähnt, auch Menschen möglicherweise durch Exits auf einmal reich geworden sind. Wie siehst du die Kultur unter den Vermögenden? Tut sich da was?

Andreas Schiemenz Ja, natürlich. Ich würde jetzt mal mit den Klischees aufräumen wollen, weil ich habe ja angefangen zu arbeiten in den 70ern und da war es üblich, dass tatsächlich es Fahrdienste gab für das Management, dass man gefahren wurde von A nach B. Und ich erinnere mich, als ich in der Bank einstieg, wurde der Fahrdienst der Bank tatsächlich auch erst kurze Zeit davor eingestellt. Also es war bis weit in die 2000er hinein immer noch üblich, dass man Management von A nach B fuhr, aus der Überzeugung heraus, dass die Zeit für Menschen, die wirklich viel im Kalender haben, besser genutzt werden kann, wenn sie hinten rechts sitzen statt vorne links, um dann tatsächlich Akten zu lesen oder um telefonieren zu können und andere Dinge. Das hat sich mittlerweile natürlich ein bisschen geändert, weil es gibt so gut wie gar keine Fahrdienste mehr. Aber wir haben… Natürlich bei den Vermögenden auch noch eine ganz, ganz andere Situation. Denn wenn Menschen bekannt sind, weil sie einen großen Namen tragen, dann sind sie auch per se gefährdet. Und in Hamburg beispielsweise gab es ja vor vielen, vielen Jahren diese furchtbare Remsmer-Entführung und auch die vom Metzler-Entführung und andere furchtbare Dinge haben dazu geführt, dass einige Vermögende auch eine eigene Sicherheit brauchen. Und das wird in aller Regel dann mit dem Chauffeur verbunden. Das heißt, es ist einfach nur eine Sicherheitsmaßnahme bei einigen Vermögenden, die leider sein muss. Wenn wir uns jetzt aber auf die Next-Gen, auf die Jungen, uns die mal anschauen, dann erleben wir, dass die mit Fahrrädern zum Termin kommen oder mit dem E-Scooter und ganz normal mit der Bahn fahren und nicht unbedingt automatisch erster Klasse. Ich glaube, da hat sich einiges geändert, was sicherlich ökologische Sichtweise ist, aber auch die Frage eben, wir wollen gar nicht so sehr isoliert sein in unserer Blase, sondern wir wollen uns ganz normal in der Gesellschaft bewegen, wie andere Menschen auch, und dann hilft es natürlich mit der U-Bahn zu fahren, statt sich jetzt vom Uber von A nach B bringen zu lassen.

Maik Meid Du sagst, das kommt so langsam, aber das ist noch nicht die Mehrheit, oder?

Andreas Schiemenz Doch, also wenn ich jetzt überlege, ich habe von den Familien, die wir betreuen oder von den Familien, die wir auch kennen, ich würde mal sagen, das sind jetzt so vielleicht 50 auch nur, da weiß ich aber auch nur von einem, der einen Chauffeur hat. Und der ist tatsächlich älter, also der ist tatsächlich auch schon weit über 70 und ich glaube, dass diese Kombination, es gewohnt zu sein von früher, aber auch zu wissen, es angenehm ist, dann auf langen Reisen auch konzentriert arbeiten zu können. Ich glaube, das ist diese Kombination hier.

Maik Meid Wenn ich nochmal auf eure Beratungsangebote komme, wissen eure Klientinnen und Klienten, dass sie euch brauchen und wenden sich euch zu? Ich glaube, ihr habt ja auch mit eurer Idee ein relatives Alleinstellungsmerkmal. Oder aber müsst ihr sie darauf hinweisen, dass es, ich sag mal, durchaus Beratungsoptionen gibt, um das philanthropische Engagement zu optimieren?

Andreas Schiemenz Dadurch, dass wir aus meiner Sicht das erste philanthropische Family Office in Deutschland sind, braucht er es natürlich ein bisschen Eigenwerbung. Das muss aber in dieser Branche immer sehr dezent sein und deshalb haben wir jetzt nicht über grelle Anzeigen auf Social Media oder anders auf uns aufmerksam gemacht, sondern wir haben auch über unsere Gründerfamilie und über die Kontakte, die wir haben, Stück für Stück den Kontakt zu anderen Vermögenden gesucht und auch gefunden und in Gesprächen dargestellt, was wir vorhaben, was unser Plan ist. Und dann haben sich in aller Regel die Menschen erst mal das erste Jahr angeschaut, was denn unsere Truppe so macht. Und jetzt merken wir im dritten Jahr, dass die Saat langsam Früchte trägt. Also es braucht natürlich und ich bin sehr dankbar, dass unsere eigene Familie uns relativ früh auch mit Verantwortung ausgestattet hat und uns auch zugetraut hat, bestimmte Dinge zu tun und zu entwickeln. Und das hat uns, glaube ich, sehr geholfen, dass wir jetzt dabei sind, uns im Markt als philanthropisches Family Office ein Namen zu machen.

Maik Meid Ich würde gerne einmal nochmal einen Schritt zurück zum Thema Fundraising kommen. Wenn wir in der Fundraising-Ausbildung sind, wenn es uns dann um Instrumentarien geht, also wir reden jetzt hier wirklich von Einsteigenden, also wirklich ganz am Anfang stehenden, dann kommt dann irgendwann das Thema Großspenden, Fundraising oder auch Zielgruppe eben vermögende Menschen und dann gehen natürlich sofort die Augen auf und sagen, naja da wollen wir hin. Also eigentlich wollen wir uns ja gar nicht erst mit dem ganzen Kleinkram beschäftigen, wir wollen ja sofort zu den großen Gaben und sofort da oben hin. Unabhängig davon, dass man denen dann erstmal erklärt, dass das eigentlich auch Champions League ist und vielleicht ihr erstmal in der Kreisliga kicken solltet, bevor ihr guckt, der Champions League ist, es sei denn, ihr habt vielleicht direkte Beziehungen zur Champions League. Jetzt hat der sehr sehr geschätzte Kollege Wolfgang Kröber immer gesagt, na ja, Menschen mit gewissen gleichen Eigenschaften tummeln sich immer irgendwo an bestimmten Stellen. Also die knubbeln sich immer irgendwo und sind an bestimmten Stellen auch irgendwie zu finden. Und so eine klassische Frage aus den Ausbildungen ist immer, ja wo finde ich denn die Menschen? Wie komme ich denn mit denen in Kontakt? Nicht, dass du jetzt hier Geheimnisse ausplauderst. Mir geht es darum, haben denn eigentlich Menschen aus Organisationen überhaupt eine Chance irgendwo auf, wenn nicht nur durch Zufall, wirklich auf wohlhabende Menschen zu treffen und möglicherweise auch auf ihre Angebote aufmerksam zu machen?

Andreas Schiemenz Also auf jeden Fall. Und wir müssen ja nicht, Maik, jetzt über die, reichsten in diesem land sprechen also nicht absolut nicht sondern sondern wir müssen da auch ein bisschen die kirche im dorf lassen weil reichtum ist ja ganz ist ja anders verteilt ist ja nicht nur bei den milliardärinnen und milliardären also nicht nur bei den bei den glatten und quanz dieser dieser welt sondern wir haben in aller regel wir haben ja über 1,6 millionen millionäre in deutschland wir haben unheimlich viele menschen die vermögend sind und die unter dem radar eigentlich sind, unter dem Wahrnehmungsradar. Das sind eben die IndustrieunternehmerInnen und GesellschafterInnen, von denen wir vorhin gesprochen haben. Die Hidden Champions, die Regionalen, die sehr bedeutend sind. Die hast du, die haben wir in Hamburg natürlich ein paar mehr, weil wir hier mehr Industrie haben, als jetzt vielleicht in Wuppertal. Aber auch dort gibt es…

Maik Meid Ja, Wuppertal würde ich sogar auch sagen, ist vielleicht gar nicht mal so verkehrt.

Andreas Schiemenz Oder sagen wir mal vielleicht, was fällt mir denn ein, selbst Heilbronn gibt es ja auch Vermögende, also es ist überall. Du siehst schon, wir haben überall diesen gehobenen Mittelstand, die Familienunternehmen, die tatsächlich die regionale Wirtschaft prägen. Und diese Menschen zu erreichen, zu treffen ist, wie ich finde, unkompliziert. Die sind ja auf Veranstaltungen vor Ort anzutreffen. Wenn der Bürgermeister Neujahrsempfang gibt, dann sind diese UnternehmerInnen in aller Regel da. Beim Sommerfest der Mittelstandsvereinigung sind diese UnternehmerInnen da. Die sind vielleicht organisiert in Clubs oder in irgendwelchen gemeinnützigen Engagements. Die sind bei Banken zu treffen. Du hast ja selber vorhin, Maik, gesagt, es gab eine Veranstaltung einer Bank in Düsseldorf.

Maik Meid Ja, war Finanzbranche, war jetzt nicht Bank, aber Finanzbranche passt.

Andreas Schiemenz Finanzbranche, aber eben nicht mit Blick auf Köln, aber auch da sind diese Leute. Ich glaube, wenn man sich klar ist, welche Zielgruppe man ansprechen möchte. Und viele unserer Kolleginnen und Kollegen bei den NGOs sind ja regional aktiv. Und wenn du in Osnabrück bist oder wenn du in Münster bist oder wenn du in Dresden bist, dann hast du natürlich vor Ort einiges an Unternehmerfamilien. Und die ins Visier zu nehmen und zu sagen, hey, ich würde mich gerne mal um diese Zielgruppe kümmern und ein Beziehungsgeflecht aufbauen, das hilft natürlich auch bei der Frage, wo treffe ich denn diese Menschen? Und wie gesagt, du triffst sie im Rathaus, du triffst sie bei der Industrie- und Handelskammer, du triffst sie bei Empfängen und offiziellen Kongressen und Veranstaltungen, Du triffst sie. Ja. Beim Forum der Süddeutschen, du triffst sie eigentlich überall. Du musst da nur hingehen.

Maik Meid Was sind dann oft so die Hemmungen? Ich als kleine lokale Lebenshilfe, was würden die denn für ein Interesse an mir haben, wenn ich auf einmal einen mittelständischen Geschäftsführer gebe, der einen dreistelligen Millionenumsatz hat. Die wollen ja gar nichts mit mir, weil die wollen ja auf Augenhöhe sein. Da erlebe ich öfter Zurückhaltung. Vielleicht hilft dann Kommunikationstraining oder so, ich weiß nicht.

Andreas Schiemenz Also ich als kleine, regionale Lebenshilfe habe natürlich keine Chance. Solange ich denke, dass ich klein bin, dass ich Lebenshilfe bin, dass ich nicht rettend, dass ich nicht relevant bin, macht das gar keinen Sinn. Wenn ich mir aber darüber deutlich mache, was meine Rolle ist und dass ich vielleicht der Experte bin, der Vermögenden hilft, sich für das Thema Inklusion in der Region zu engagieren. Wenn ich quasi wie der Banker auch der Ansprechpartner auf Augenhöhe bin, der sich vor Ort in der Zivilgesellschaft auskennt, dann macht das Sinn, mit diesen Menschen zu sprechen. Also eine Rollenklarheit braucht es auf jeden Fall.

Maik Meid Aber ich höre jetzt auch da von dir nochmal raus, dass das Interesse seitens der Vermögenden durchaus da ist sich auch zu unterhalten mit der Sozialwirtschaft und Gemeinnützigkeit, um zu gucken, wie man da gemeinsame Dinge entwickeln kann. Also es ist nicht die Wand, die man erstmal durchbrechen muss, sondern es besteht Interesse.

Andreas Schiemenz Ja, es ist tatsächlich die Tür, die du durchschreiten musst. GesellschaftlerInnen gehen auf Veranstaltungen, um sich auch zu vernetzen, um neue Menschen und neue Ideen kennenzulernen. Und auf diese Formate würde ich auch gehen. Ja klar, und es ist ja ein leichtes herauszufinden, wo gibt es denn für UnternehmerInnen in meiner Region, in meiner Nachbarschaft spannende Formate. Und sich dann anzumelden und vielleicht auch die 50 oder 75 oder 150 Euro Eintritt zu zahlen, daran sollte es ja nicht scheitern.

Maik Meid Ich persönlich habe mich nie wirklich in der Rolle gefühlt, der richtige Ansprechpartner Wer ist geeignet fürs Großspenden-Fundraising? zu sein für das Thema Großspenden, auch in den Organisationen, in denen ich gearbeitet habe. Unabhängig davon bin ich auch nie gefragt worden, ob ich das übernehmen wollen würde. Aber ich bin da aus meiner Sicht nie so, also meine Mentalität hat da irgendwie nie gepasst so. Also ich glaube, ich hätte mich da reinzwängen müssen. Aber aus deiner Sicht jetzt mit jemandem, der jahrzehntelange Erfahrung hat, welche Qualifizierung muss jemand mitbringen, der gerne so eine Relaisfunktion übernehmen wollen würde, zwischen Vermögenden und Organisationen zu vermitteln. Was muss ich mitbringen?

Andreas Schiemenz Du musst wie insgesamt im Fundraising, fangen wir mal mit den Grundlagen an, du musst einfach Menschen mögen. Und du musst Lust haben, auch mit fremden Menschen in Interaktion zu treten. Du musst also eine Dialogbereitschaft haben. Und wenn du im Großspenden-Fundraising unterwegs sein willst, musst du natürlich auch dein Handwerkszeug beherrschen. Dazu gehört, natürlich die Frage, wie sieht ein gutes Relationship-Management aus? Wie organisiere ich mich? Weiß ich, wie die Grundlage der Etikette zum Beispiel ist? Bin ich in der Lage, mich in diesen Kreisen auch selbstsicher zu bewegen? Kann ich dort auch tatsächlich auf Augenhöhe mit Menschen sprechen? Also wie ist mein eigenes Rollenverständnis? Das sind alles Dinge, die man im Großspenden-Fundraising braucht und ich glaube tatsächlich, Maik, nicht jeder von von uns muss auch Großspenden-Fundraiser sein. Es gibt tatsächlich genügend andere tolle Bereiche. Natürlich klingt es verlockend zu sagen, ich hole die großen Beträge, aber es ist natürlich auch harte Arbeit. Und gerade im Großspenden-Fundraising bist du auch außerhalb deiner normalen Arbeitszeit unterwegs und bist immer wieder darauf fokussiert, bestimmte Menschen anzusprechen und kennenzulernen und Angebote für diese Klientel zu schaffen und dich weiterzubilden und fortzubilden, das ist schon etwas, was man nicht so nebenbei macht. Und du hast es ja eben auch die Königsdisziplin genannt. Ja, ich glaube, dass diese Eins-zu-eins-Betreuung tatsächlich auch das… Ja, das ist nicht nur anstrengend, es ist sicherlich sehr sinnerfüllend, aber du musst dich schon ganz und gar auf dieses Geschäft einstellen, definitiv.

Maik Meid Wenn ihr als Sinngeber jetzt einstellen würdet, ich weiß ehrlich gesagt gerade gar nicht, ob ihr was offen habt, aber worauf würdet ihr eher achten, dass eher eine Nähe zum Thema Gemeinnützigkeit, Vereine, Stiftungen, Sozialwirtschaft da ist, oder eher eine Nähe aus der Vergangenheit in dem Bereich Finanzierung, Vermögen und so?

Andreas Schiemenz Ich glaube, ich würde tatsächlich eher mir die Frage stellen, wie viel Erfahrung haben BewerberInnen mit dieser Klientel? Da müssen sie gar nicht aus dem Bereich Finanzen kommen, sondern können ja auch in Stiftungen, in Unternehmensstiftungen schon gearbeitet haben oder in Familienstiftungen. Also uns ist es wichtig, dass wir Mitarbeitende haben, die einen emotionalen Zugang zu unserer Klientel haben. Und es per se erstmal nicht kritisch finden, wenn jemand Unternehmer oder Unternehmerin ist.

Maik Meid Jetzt bist du persönlich von Gummimatten über klassisches Fundraising, über das Großspenden-Fundraising da gelandet, wo du jetzt bist. Bist du da angekommen und bist du da, wo du sein willst?

Andreas Schiemenz Ja, also tatsächlich, ich bin angekommen. Die letzte Formulierung, bin ich da, wo ich hin wollte, würde ich so nicht beantworten können, Als ich ins Fundraising eingestiegen bin, also aus dem Vertrieb gewechselt bin zur Stadtmission, war mir gar nicht klar, welche Optionen es alles gibt. Dass ich jetzt ein Family Office für Philanthropie leite, das habe ich vor der Zeit bei der HSH Nordbank gar nicht im Blick gehabt, weil es das gar nicht gab. Das heißt, es waren verschiedene Zufälligkeiten, verschiedene Schritte, die sich am Ende Ende so zusammenfügen, dass ich jetzt an der richtigen Stelle bin.

Maik Meid Bei mir hier im Bücherregal, wobei ich ehrlich gesagt ja auch schon irgendwann Wo steht das Thema in 5 Jahren? mal auf digitale Bücher umgestiegen bin, aber hier stehen noch so ein paar Bücher zum Thema Großspendenfundraising, auch eins von dir. Ich weiß gar nicht, ob das Großspendenfundraising heißt, aber zumindest thematisch es darum geht. Es gibt auch andere mit anderen Ansätzen und die werden auch immer wieder mit einer neuen Auflage versehen. Wo geht es hin? Also ihr sagt, ihr habt mit Sinngebern das Alleinstellungsmerkmal das einzige philanthropische Family Office zu sein. Ich frage ja gerne in diesem Podcast-Folgen immer, was ist denn so in fünf oder in zehn Jahren, auch wenn wir wissen, dass die Kristallkugel-Guckerei immer schwieriger wird. Was passiert, wenn du jetzt dich aus dem Fenster lehnen müsstest und behaupten oder sagen müsstest, wie sich alles weiterentwickelt? Wo sind wir in fünf bis zehn Jahren mit dem Thema?

Andreas Schiemenz Also ich bin fest davon überzeugt, dass in 5 oder in 10 Jahren deutlich mehr philanthropisches Kapital in der Zivilgesellschaft sein wird als jetzt. Und zwar sichtbar mehr. Und das wird nicht nur an unserer Arbeit liegen, sondern es sind parallel dazu entstehen an verschiedenen anderen Stellen spannende philanthropische Projekte und Ideen. Und wenn ich jetzt sehe, alles entsteht und wer dort alles sich dem Thema Philanthropie öffnet, glaube ich, dass alle diese Akteurinnen und Akteure, also auch wir als Sinngeber, da einen deutlichen Beitrag zu leisten können. Also ich glaube selber, dass wir das im jährlichen Spendenvolumen für die NGOs in fünf Jahren spätestens deutlich sehen werden.

Maik Meid Macht das Sinn oder ist das seriös, sagen zu können naja ab so einem philanthropischen, also ab so einer Summe von philanthropischer Einsatzmöglichkeiten will ich es mal sagen, macht es Sinn sich mit euch in Kontakt zu setzen oder würdest du eher sagen naja diejenigen die wissen dass sie uns brauchen die wissen das auch also kann man kann man sagen ab einer Summe von in Höhe Dollarzeichen Euro brauchen wir uns?

Andreas Schiemenz Wir haben, Maik, verschiedene Angebote und das Einsteiger-Angebot sozusagen ist bei uns der Sinngeber Giving Fund. Da kann man ab 100.000 Euro sich investieren.

Maik Meid Das ist ja überschaubar schon.

Andreas Schiemenz Überschaubar, absolut. Das ist auch eine Möglichkeit, dass Menschen dann auch innerhalb von drei Minuten digital ihre Treuhandstiftung eröffnen können und dann ihre 100.000 Euro dort über die eigene Treuhandstiftung verteilen können. In der strategischen Beratung, in der Einzelberatung, ist es dann eher schon so, dass es fünf oder zehn Millionen Euro im Jahr an Spendenvolumen sind, die dann die Familien zur Verfügung stellen und dann kümmern wir uns individuell um diese jeweiligen Akteure. Neues-stiften Podcast

Maik Meid Andreas, ich habe nur noch zwei Fragen an dich.

Andreas Schiemenz Ach guck.

Maik Meid Ja, guck mal. Frage 1. Nee, also das eine ist erstmal eine Aussage, das machen wir jetzt mal als schamloses Podcast Plugging. Du, ihr, ihr habt auch einen Podcast, da durfte ich auch schon zu Gast sein, da haben wir nämlich ganz schnell im Anschluss der letzten Folge diesen Termin hier vereinbart. Das stimmt. Podcast zum Neuestiften, du darfst jetzt nochmal schamlose Werbung machen, was macht ihr denn da und was soll das Ganze?

Andreas Schiemenz Ja, neue Stiften ist tatsächlich etwas, was ich mit dem Journalisten Jörg Schumacher quasi in meiner Freizeit ehrenamtlich umsetze. Und wir wollen einfach spannende Themen aus der Zivilgesellschaft, dem wollen wir quasi ein Mikro geben. Und die Erfahrung, die Menschen haben, die vielleicht auf das Fundraising gucken, die auf die NGOs gucken, dass die dort ihre Erfahrung teilen. Und es macht unheimlich viel Spaß, mit verschiedenen Menschen über ihr Engagement zu sprechen und ihre Leidenschaft für die Zivilgesellschaft. A.

Maik Meid Da machen wir auch ganz klar, hier nochmal ein Link in die Shownotes, dass ihr das sich euch anhört. Ihr seid auch mittlerweile, seid ihr schon in der Dreistelligkeit, was Folgen angeht oder noch nicht ganz? B.

Andreas Schiemenz Ja, ich glaube noch nicht ganz. Wenn ich das richtig gesehen habe, sind wir knapp unter 100. Aber es liegt daran, dass es der zweite Anlauf ist. Den ersten Anlauf hatte ich noch unter der alten Unternehmung. Deshalb haben wir dann tatsächlich vor zweieinhalb Jahren bei Null wieder angefangen.

Maik Meid Habt ne ordentliche Frequenz da auch drauf, also liegt ja auch ordentlich nach. Spendenwunsch von Andreas Und dann hab ich eigentlich im Prinzip nur noch zum Abschluss eine Frage, nämlich einer gewissen Tradition hier im Podcast, die schon ein bisschen hinten rüber gefallen ist, weil ich lange keine Gespräche mehr geführt hab mit einer einzigen Person, nämlich dir, die nicht regelmäßig hier im Podcast, also die zum ersten Mal oder in so einer Solo-Geschichte zum ersten Mal auftaucht. Und ich hoffe, dass du da keine Ahnung hast, wovon ich spreche, ich hätte nämlich dich gerne mal ein bisschen ausgequetscht und würde jetzt gerne von dir eine Organisation genannt bekommen, die jetzt den Spenden-Button unter diese Folge gesetzt bekommt. Also wenn dir oder euch da draußen diese Folge gefallen hat, dann dürft ihr jetzt der Organisation, die Andreas euch jetzt nennt, mal 15 oder gerne auch 100.000 Euro in den digitalen Orkus schmeißen für ganz großartige Projekte. Einzige Voraussetzung, es darf keine Organisation sein, A, in der du selber ehrenamtlich unterwegs bist oder B, in irgendeiner Form als Berater tätig bist. Und diese Organisation hätten wir jetzt gerne. Und es ist immer so wunderschön zu sehen, wie jetzt die Panik in den Gesichtern der Gegenüber auftaucht, auch wenn wir uns nicht sehen. Oh mein Gott, welche Organisation nenne ich denn jetzt? Aber ich hätte jetzt gerne einen.

Andreas Schiemenz Naja, ich würde definitiv die Hoffnungsträgerstiftung nehmen. Weil ich glaube, dass das Thema Integration von vertriebenen und geflüchteten Menschen bei der Hoffnungsträgerstiftung in einer einzigartigen Art und Weise gelungen ist. Und deshalb ist das quasi eine Organisation, die ich sehr schätze, für die ich allerdings auch selber spende. Ist das dann in Ordnung?

Maik Meid Das ist mir völlig egal, ob du dafür spenden solltest. Das macht es ja sogar noch authentischer. Ja. Umso besser. Ja, sehr gerne. So soll es sein. Bei dem mache ich mir auch keine Gedanken, dass ich auf der Website einen Spenden-Button finde oder zumindest eine Spendenkontonummer finde. Also so spendet reichlich, wenn euch diese Folge hier gefallen hat.

Andreas Schiemenz Super, danke.

Maik Meid Wunderbar. Ich habe nichts mehr auf meiner Liste. Hast du noch was? Abschluss Haben wir was vergessen, worüber wir hätten reden sollen?

Andreas Schiemenz Oh, wir hätten noch über ganz viele Themen reden können, Maik. Ich weiß im Moment nicht über was, aber nein, es macht einfach Spaß, mit dir zu sprechen und ich finde es einfach wichtig, dass dein Einstieg, dein Klischee der Düsseldorferin, ich hoffe, dass es uns gelungen ist.

Maik Meid Ich hoffe, sie hört es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie es hört, ist sehr gering.

Andreas Schiemenz Aber genau, wahrscheinlich hört sie es nicht. Und wenn, dann ist das ja auch super, weil dann tut sie das ja auch, weil sie sich sozial engagieren will. Und am Ende finde ich übrigens auch, eigentlich ist es nicht so wahnsinnig wichtig, was für einen Mensch manchmal dahinter steckt, wenn der Wille zählt. Also jeder Mensch von uns trägt ja, wie meine Schwiegermutter immer sagt, sein Päckchen. Und das ist, glaube ich, auch in allen Einkommensklassen so. Und wenn jemand vielleicht als Mensch etwas ungewöhnlich ist und trotzdem mit seinem Geld Gutes tun möchte, dann finde ich das vollkommen in Ordnung.

Maik Meid Wenn ich hier aus dem Studio nach draußen schaue, hier plästert es. Es ist wirklich richtig tiefer Herbst bei dir auch, aber du findest es schön. Absolut. Deswegen schicke ich dich jetzt raus in den Regen, renne eine Runde um die Alster und ja, sorg dafür, dass die Welt auch weiterhin besser wird.

Andreas Schiemenz Das mache ich, Maik. Vielen Dank für das Gespräch.

Maik Meid Danke dir, lieber Andreas. Alles Gute euch da draußen. Ciao.

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Tach, ich bin Maik Meid.

Ich unterstütze seit 20 Jahren gemeinnützige Organisationen und Unternehmen aus der Sozialwirtschaft mit Medien und Workshops rund um’s Fundraising und Kommunikation. Und seit Anfang 2023 bleibe ich für Euch tagesaktuell auf dem KI-Entwicklungsstand der Dinge. (Ich mach wirklich kaum anderes mehr…)

© Maik Meid Fundraising Media