Im Podcast berichten Prof. Vanessa Mertins und Bernd Josef Leisen von einem interessanten Experiment auf dem Kongress.
Transkript
Sprecher 1 Mittagszeit am Freitag des Deutschen Fernsehen-Kongresses 2019 in Kassel. Kurz vor dem Mittagessen. Es ist immer wieder spannend, wenn du losgehst und versuchst, Menschen zu finden, kurz vor dem Mittagessen für ein Interview zur Verfügung zu stehen, lieber Andreas. Ja, aber es hat funktioniert. Es ist dir gelungen und ein Thema, von dem ich weiß, dass du dich da sehr und am meisten drauf freust. Deswegen werde ich heute einfach mal die Klappe halten und so wenig wie möglich. Wir werden beobachten, ob es dir gelingt. Es fällt mir schwer. Aber Es geht um ein vielleicht auch eher analytischeres Thema und ein etwas möglicherweise akademischeres Thema. Da bin ich so als Pseudowissenschaftler eh raus. Deswegen freue ich mich, dass wir Gäste haben, aber ich übergebe dir das Wort und bin sehr dankbar.
Sprecher 2 Ja, selbstverständlich. Ja, also ich begrüße Vanessa Mertens, Professor an der Universität Vechta und ihren wissenschaftlichen Mitarbeiter Bernd Josef. Leisen? Nee, Leason. Leisen.
Sprecher 1 Leisen. Vorbereitet der Mann.
Sprecher 2 Top vorbereitet. Ich habe mir den Namen vorher aufgeschrieben und den I-Punkt aufs E gemacht. Das ist einfach unverzeihlich. Aber ja, sag doch vielleicht ganz kurz. Wer ihr seid und was euch zum Fundraising-Kongress bringt.
Sprecher 3 Ja, ich lehre und forsche Bereich Management sozialer Dienstleistungen. Ich bin eigentlich Volkswirtin, forsche empirisch im Bereich experimentelle Wirtschaftsforschung. Und um diese Teilgebiete zusammenzubringen, habe ich mir überlegt, naja, was sind spannende Themen, was macht mir Spaß? Ich als Professorin mache jetzt wirklich nur noch, was mir Spaß macht.
Sprecher 1 All die Zeit als Doktorandin musste man auch mal machen, was der Chef sagte.
Sprecher 3 Aber jetzt mache ich nur noch, was mir Spaß macht und was mir und der Welt was bringt. Und ich denke, da bin ich im Fundraising-Bereich recht gut angekommen. Und genau das machen wir jetzt. Also vor zwei Jahren war mein Mitarbeiter das erste Mal hier und hat berichtet, was für interessantes Publikum hier ist. Und für dieses Jahr haben wir uns dann überlegt, was können wir dazu beitragen aus unserer Wissenschaftsperspektive für Fundraiser, von Fundraisern, aber auch für die Wissenschaft. In der Tat weiß die Wissenschaft sehr wenig über den Typ Mensch Fundraiser. Ja, da gibt es so ein paar Anekdoten, aber mehr nicht.
Sprecher 1 Und das super ist ja, dass das letztendlich im Fundraising auch kaum eine empirische Masse an Daten vorhanden ist, umso besser.
Sprecher 2 Ich hab bitte schon mehr kommen. Mach. Ich hatte vorher auch auf ungefähr 2 Minuten 30, bitte.
Sprecher 4 Ja, ich bin Bernd Josef Leisen. Ich bin wie gesagt seit zwei, wann, seit 2000 16 an der Universität Vechter als Doktorand von Vanessa. Und ja, wir haben 2017 war ich mit meinem Kollegen Christian Walter hier und Wir wussten gar nicht, was uns erwartet und waren extrem überrascht. Das Seminar lief sehr gut, auch dass diese ganzen experimentellen Sachen so gut angekommen sind. haben festgestellt, also wir hatten damals einen anderen Fokus gehabt. Wir haben uns nicht auf den Typ Funkbrazor konzentriert, sondern wir haben aus experimentellen und wirtschaftlichen Peer-Review-Journals gibt es eine Menge an wissenschaftlichen Artikeln, Feldexperimente, wo wirklich auch Direct-Mailing, Haustür Fundraising, Dialogmarketing, wo das alles unterschiedliche Interventionen getestet worden sind und haben da halt so einen Überblick über die Forschung, so die Evergreens. Gegeben und das kam sehr, sehr gut an. Und entsprechend sind wir dieses Jahr nochmal hergekommen mit einem etwas anderen Programm, mit ein paar neueren Praxisstudien. Aber ja.
Sprecher 2 Okay. Und ihr habt auch an eurem Stand, also ihr hattet einen Stand und an dem habt ihr auch ein Experiment durchgeführt. Also ich habe ja auch teilgenommen, man musste Fragen ausfüllen und zehnmal eine Münze werfen, aber vielleicht kannst du das so ein bisschen erläutern. Was hat das für einen Hintergrund? Was sollte da getestet werden?
Sprecher 4 Ich glaube, da gebe ich mal an die Expertin ab.
Sprecher 3 Ja, also die Motivation war, dass wir uns überlegt haben, Vertrauen in Ehrlichkeit ist wichtig für eigentlich jede Beziehung, aber gerade im Charity-Bereich ist die massiv wichtig. Denn Leute spenden nur, wenn sie davon ausgehen können, dass sie nicht belogen werden, dass sie es mit ehrlichem Gegenüber zu tun haben. Und da wollten wir wissen, wie ehrlich sind eigentlich Fundraiser. Und haben nochmal in die Literatur geschaut. Es gibt keine Literatur dazu. Man weiß ganz viel über Ökonomen, über Banker, über Strafgefangene, über Nonnen, aber man weiß nichts über den Mensch Fundraiser. Und das hat uns dann veranlasst, zu schauen, naja, über diese Anekdoten hinaus. Was stimmt nun? Ist er ein Vorbild? Oder ist er wirklich ein altruist oder ist er eher ein sehr rationaler, eigennütziger, Homo ökonomisch? Und die zweite Frage, die uns dann umtrieb, war, was denken eigentlich Fundraiser über die Ehrlichkeit von Fundraisern? Denn die kennen ihre Peers ja am besten. Oh ja. Und trotz dieser hohen Relevanz, wie gesagt, konnten wir überhaupt nichts finden.
Sprecher 2 Das ist aber eigentlich auch nicht weiter nichts?
Sprecher 3 In der Literatur keine Ansätze finden. Nein, nein, nein, nein. Warten Sie ab. Wir konnten keinerlei Dinge in der Literatur finden, die uns das irgendwie nahelegen könnte. Und die Schwierigkeit ist natürlich auch, man kann solche Messungen vornehmen, aber womit vergleicht man dann? Ja, den Fundraiser. Wenn man den mit der normalen Bevölkerung vergleicht, hat man diverse Schwierigkeiten, weil einfach zu viele Charakteristika sich unterscheiden könnten und die ja gerade auch nochmal mit Ehrlichkeit korrelieren könnten. So weiß man am Ende niemals. Warum ist der Fundraiser so wie er ist? Ist er so geworden durch den Beruf oder hat er sich schon reinselektiert, weil er ein ganz spezieller Typ Mensch ist?
Sprecher 1 Ja, klar.
Sprecher 3 Und wenn man sich jetzt nur Korrelationen anschauen würde, Fundraiser gegenüber durchschnittlicher Gesellschaft, dann könnte man vielleicht Korrelationen finden, die aber ein völlig falsches Bild zeichnen. Und deswegen sind wir in einen ganz neuartigen Ansatz gegangen, basierend auf ökonomischen Theorie der sozialen Identität von Ekerloff. Wonach jedes Individuum verschiedene Identitäten hat, nach Geschlecht, Ethnizität, Beruf, also ich bin zum Beispiel Mutter. Ich bin aber auch Wissenschaftlerin, ich bin eine Frau, ja. Und je nachdem, in welchem Umfeld ich mich gerade bewege, ist diese Identität mehr salient. Und entsprechend gehen die Sozialen Normen damit einher, die mein Veralten wiederum beeinflussen. Und aus der Psychologie kennt man nun ein Instrument, nämlich Priming, mit dem kann man Identitäten salienter machen. Und genau das haben wir dann einfach hier versucht. Wir haben gesagt, wenn also die NPO-Kultur ehrliches Verhalten begünstigt. Dann sollte es möglich sein, die Ehrlichkeit von NPO, Angehörigen und Dienstleistern, also alle, die was damit zu tun haben, aufzudecken, indem wir einfach ihre professionelle Identität salient machen… Und das geht dann sehr einfach. Wir haben das dann in der Studie gemacht. Und wir haben ca. 100 Experten aus dem Fundraising für einige Entscheidungsspiele rekrutiert. Haben sie zufällig insgesamt.
Sprecher 2 Ein Siebtel aller Teilnehmer ist.
Sprecher 3 Ehrlich?
Sprecher 2 700 Leute sind hier? Das ist schon eine sehr gute Quote.
Sprecher 3 Ja, das war mir gar nicht so bewusst.
Sprecher 1 Aber ist das repräsentativ für die Teilnehmenden? Ich habe keine Ahnung von Empirie und von Statistik oder.
Sprecher 3 Ähm. Das ist völlig ausreichend, weil der Trick beim Experiment ist, die Leute müssen zufällig in die Gruppen eingeteilt werden. Und dann ist alles andere völlig egal. Wir kontrollieren durch Randomisierung. Okay. Und das war auch nicht einfach so simpel 0101, sondern Bernd hatte zuvor ein Excel-Tool generiert.
Sprecher 4 Ja, da habe ich so eine Zufallsreihenfolge ausgeben lassen. Also dass man wirklich sagen kann, okay, die kommen in der zufälligen Abfolge. Das heißt, wenn wir 100 Leute haben. Haben wir im Endeffekt 50 in der Gruppe, in der Kontrollgruppe und 50 in der Interventionsgruppe und die sind identisch. Und nicht nur über so ein paar Merkmale wie Geschlecht und so weiter, sondern über auch alles, was wir nicht beobachten können, wie. IQ und Persönlichkeitsmerkmale.
Sprecher 2 Okay, verstehe.
Sprecher 4 Dadurch vermeidet man beispielsweise, wenn man jetzt im Fundraising ist, das haben wir auch im Seminar erklärt. Damit man vermeidet, dass zum Beispiel in eine Gruppe, man hat jetzt zwei unterschiedliche Briefe, die man rausschickt beim Mailing. Und da muss man ja auch irgendwie gucken, dass man jetzt nicht in der einer Gruppe die ganzen Großspender drin hat.
Sprecher 1 Ja, genau.
Sprecher 4 Wenn ich jetzt die Kontrollversion die ersten 100 Mal abschicke und dann die Interventionsgruppe die anderen 200, dann habe ich jetzt vielleicht Pech, dass ich in der einen Gruppe die Großspender drin habe und das verreißt mir alles. Und dadurch, dass wir zufällig ziehen, können wir zwei identische Gruppen bilden und sagen, okay, die sind über ganz, ganz, ganz viele Merkmale identisch.
Sprecher 2 Okay, das heißt, ihr habt also eine Kontrollgruppe, die hat was Neutrales im Fragebogen bekommen und die Intervention ist. Was ist die Intervention gewesen?
Sprecher 3 Genau. Also unsere Fragestellung war letztendlich, hat die NPO-Kultur einen kausalen Einfluss auf die Ehrlichkeit von Fundraising-Professionals? Und NPO-Kultur, naja, dafür haben wir einfach im Priming, im Fragebogen, Fragen zur NPO gestellt. Entweder zu der, in der sie selbst beschäftigt sind oder auch zu der, der sie am nächsten stehen. Mit der sie am meisten zusammenarbeiten, haben gefragt, was ist deren Mission, was gefällt dir gut daran. Das ist eigentlich im Priming relativ unwichtig, was genau man fragt. Hauptsache die Leute beschäftigen sich mental mit der Thematik. Die sollen einfach nur implizit und unbewusst in diese Identität reinkommen, daran erinnert werden, wer sie sind. Mehr muss gar nicht sein. Den anderen haben wir Fragen gestellt in der Kontrollgruppe zur Anreise, zur Nutzung von Verkehrsmitteln und so weiter. Erinnere ich mich, in der Gruppe bin ich gewesen. Ja, im Nachhinein haben sie es herausgefunden. Während der Durchführung hat kein einziger es durchschaut. Das war uns auch ganz wichtig.
Sprecher 2 Kann ich ja sagen, ich habe ja an dem Stand gestanden und sie hatten zwei oder drei Tische. Also ich konnte die der um, es war vorher verschlossener Umschlag auch dabei. Das heißt, ich hatte eigentlich gar keine Chance zu sehen, ob irgendjemand was anderes gefragt wird. Auf die Idee wäre ich jetzt nicht gekommen. Also ich darüber nachgedacht hätte vielleicht, aber ich habe in dem Moment nicht nachgedacht, sondern es einfach gemacht.
Sprecher 1 Und danach hat sich aber auch keiner unterhalten. Das heißt, du hast auch nicht mit jemand anderen über die Fragen geredet.
Sprecher 3 Das ist genau nämlich der Clou. Das haben doch einige gemacht, weil wir haben sehr, sehr gewiefte Teilnehmer gehabt, die unbedingt rausfinden wollten, was war jetzt hier, was passiert da, ja? Und keiner ist drauf gekommen, weil wir natürlich Das Priming und das Kontroll, die Kontrollfragen einfach nur getauscht haben. Das heißt, einmal kam es auf Seite 2, einmal kam es auf Seite 6. Selbst wenn man sich unterhalten hat. Hat man dieselben Fragen gehabt. Und das war uns hier sehr wichtig, denn es sollte keine Ungleichbehandlung der Personen stattfinden. Hat vollkommen geklappt Keinen einzigen.
Sprecher 4 Also alle Teilnehmer haben die Pendel-Fragen beantwortet und die Mission-Fragen. Nur manchmal kam es hinten und manchmal kam es vorne. Also die Reihenfolge war nur getauscht. So dass man sich später unterhalten hat. Ja, hast du auch diese langweiligen Pendelfragen gehabt? Ja, natürlich.
Sprecher 2 Genau, aber die Pendelfragen haben alle gehabt.
Sprecher 4 Richtig.
Sprecher 2 Ich kann ja doch nochmal nachgucken, ob ich gefunden habe. Nein, es gab hinten raus, das muss man jetzt erklären, es gab hinten daraus ein Schätzspiel und da gab es unterschiedliche Resultate. Und in der einen Gruppe hätte ich mit meiner Schätzung gewonnen, in der anderen nicht. Und da ich gedacht habe, der Unterschied ist, ob man die Pendelfragen überhaupt hatte, haben wir eben beschlossen. Gut, aber ich greife irgendwie ja schon vor.
Sprecher 3 Ja, die Ergebnisse sind phänomenal in der Kontrollgruppe. Haben wir in etwa einen Mittelwert?
Sprecher 4 Bernd, möchtest du es ausführen? Also man musste zehnmal ja die Münze werfen. Ja, und da würde man ja erwarten, über 50 Teilnehmer, die in der jeder Gruppe drin sind, würde man ja erwarten, dass durchschnittlich fünf von zehn Münzwürfen gewonnen werden. Das finden wir exakt.
Sprecher 2 Der Mann ist Mathematiker, also der kann sowas glaube ich im Code rettet. Das ist die Frage, die ich am längsten nachgedacht habe. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, weil es mir so einfach erschien, ob es irgendeinen Grund gibt, dass ich jetzt nicht fünf schätze. Ja, also es gibt viele Gründe. Zumindest kein stochastischer, also kein mathematischer Eingefallen.
Sprecher 4 Also die Ergebnisse, wir haben jetzt noch nicht alle Fragebögen eingegeben, aber es war gestern vor unserer Präsentation so, dass wir hatten Die Leute, die das Mission Priming bekommen haben, die vorher die Missionsfragen beantworten haben, da war das genau 5. Also die haben 10 von 20 Euro gewonnen. Das, was man.
Sprecher 3 Exakt statistisch, ja.
Sprecher 4 Purer Zufall. Aber interessanterweise, die Leute, die die Pendelfragen beantwortet haben, haben komischerweise 6,2 Mal im Schnitt gewonnen.
Sprecher 2 Also 2,40 Euro mehr alsgehen, dass das an der Münze liegt.
Sprecher 3 Jeder hatte seine eigene Münze, ja, also auch das komplett randomisiert. Wir haben uns da gar nicht eingemischt.
Sprecher 2 Genau, die Münze war ja in dem Umschlag. 5-6 Münzen drin und ich hätte eine beliebige von den Münzen ja nehmen können, um.
Sprecher 3 Auch aus ihrem eigenen Geldbeutel, da haben wir gar keine Vorgaben gemacht.
Sprecher 2 Das heißt ja, wenn ich jetzt mal messerscharf schließe, dass die Wo ihr festgestellt habt, also jetzt noch einmal erklären. Also man hat die Münze geworfen, zehnmal, dann musste man ankreuzen Ob man Kopf oder Zahl hat.
Sprecher 4 Und da stand immer der Geldbetrag drüber.
Sprecher 2 Und der Geldbetrag stand da drüber. Und jetzt fürchte ich, dass es darauf hinausläuft, dass die eine Gruppe einfach geschummelt hat. Weil, wenn es von der Münze nicht erklärbar ist, die müssen ja auch fünfmal gewonnen haben im Schnitt.
Sprecher 4 Der Unterschied ist auf jeden Fall. Hochstatistisch signifikant die Wahrscheinlichkeit.
Sprecher 2 Was sagt es jetzt über die Ehrlichkeit von Fundraiser?
Sprecher 3 Also das Spiel ist in der Tat genau dafür gedacht, Ehrlichkeit oder auch Lügen aufzudecken. Und es ist vollkommen menschlich, dass man ein bisschen lügt. Krasse Sache. Es ist also vollkommen menschlich, ein bisschen zu lügen. Und ganz wichtig auch nochmal, wir können keinen Lügen auf Individualbasis messen. Das kann das Spiel nicht. Das würden wir uns nie anmaßen. Es kann immer sein, dass jemand zehnmal.
Sprecher 2 Kopf geworfen hat oder zehnmal Zahl und jetzt müsste man natürlich um die Ehre zu retten.
Sprecher 3 . .
Sprecher 2 Abgesehen davon müsste man auch noch kurz sagen, dass es komplett anonym war.
Sprecher 1 Genau, dass ein Stück weit dazu aus. Jetzt müsste man in der Kohorte natürlich gucken. Ob das jetzt alles Fundraiser waren, die den Test gemacht haben.
Sprecher 3 Haben wir schon kontrolliert, ja. Es waren schon. Es wurden. Aber wie gesagt, es gibt eine Expert- extrem wichtige Message, nämlich wenn die Leute sich so verhalten als normale Menschen, dann wird es so ein bisschen geschummelt. Wenn sie aber an ihren Berufsethos erinnert werden, an NPOs, an Warum sie eigentlich da sind, was für einen Job sie machen. Und das führt signifikant nachweislich dazu zu einer extrem hohen Ehrlichkeit. Und hätte man das nur gefragt, seid ihr ehrliche Menschen, ja, mehr kreuzt da Nein an. Genau, genau, ja, das hätte keine Aussage gehabt. Wir haben es aber tatsächlich gemessen.
Sprecher 2 Das heißt, wenn ich es richtig verstehe, also die Fragen an sich waren ja dieselben, aber bei den einen war die Reihenfolge so, dass. . Berufspendel, also was Neutrales, abgefragt wurde. Und wenn man nur über die Fragen, die Leute dazu gebracht hat, an was Soziales oder über etwas Soziales nachzudenken, dann waren sie messbar ehrlicher. Das ist mal sehr interessant, würde ich sagen.
Sprecher 3 Und ohne dass Sie es gemerkt haben, also kein einziger kam hinterher zu uns und hat in irgendeiner Form das gecheckt. Das ist auch die Idee des Spiels. Sondern die haben sich einfach so verhalten, wie in dem Moment ihre soziale Identität, soziale Normen vorgegeben haben, dem sind sie gefolgt, ganz offensichtlich. Und das ist wirklich eine gute Message. Weil man weiß nie so richtig, also ich forsche insgesamt im Bereich von Mischen, welche Wirkung hat Mission? Ich schaue mir das an auf die Performance, weil da gibt es ja auch ganz wenig Untersuchungen zu, ja, was. Was macht das eigentlich mit den Menschen? Strengen die sich mehr an, wenn man mal die ganze Selektion rausnimmt? Und da ist der Mischeneffekt gar nicht so deutlich, aber jetzt haben wir einen wirklich sehr deutlichen gefunden. dass wirklich dieses Erinnern, dass man eigentlich da ist, für ein gutes zu tun, dass das wirklich auch im privaten Bereich zu einem ganz grundehrlichen Verhalten führt.
Sprecher 1 Also, da denke ich tatsächlich, glaube ich, auch nochmal ein bisschen länger darüber nach. Ich würde gerne mal den Schritt weiter gehen und sagen, das war jetzt ein Experiment auf dem Kongress. War das für den Kongress? War das für deine Doktorarbeit? Ist das nur ein kleiner Versuch, um mal zu zeigen, was man alles messen kann? Was macht ihr jetzt damit und wie geht es weiter?
Sprecher 4 Ja, also erstmal war es für eine Doktorarbeit von einem Kollegen von mir und für eine Bachelorarbeit, also die war auch noch mit dabei, hat auch erhoben, fand sie auch ganz toll. Und dann wird daraus ein, versuchen wir, einen wissenschaftlichen Artikel damit zu machen, den wir versuchen, wahrscheinlich in einem Econ Journal zu verbinden.
Sprecher 3 Genau, weil es einfach einen unheimlichen Bedarf auch an Anzulassen.
Sprecher 1 Ich kann das nur betonen. Ich habe an einer Fundraising Akademie den aktuellen Masterkurs als Studienleiter mit begleitet. Nicht in den akademischen Teilen. Den akademischen Teil, aber ich war vor Ort und ich war unter anderem auch am ersten Tag vor Ort, wo es darum ging, ja nochmal für einige nochmal eine Auffrischung im wissenschaftlichen Arbeiten zu kriegen. Und dann um Guckt, ja, irgendwann taucht ja dann auch eine Masterthesis auf. Wie recherchiert man eigentlich Literatur? Und die Kollegin, die das Ganze durchgeführt hat an der Hochschule Ludwigshafen. Wir gucken mal, hab dann einfach mal so ein bisschen geguckt aus den Literaturquellen, was man denn so findet. Und es war beängstigend. Also gerade für die Masterkolleginnen und Kollegen, die jetzt gerade in der Thesis-Phase sind Ich bin gespannt, wie sie es geschafft haben, zitierfähiges Material wirklich irgendwie noch hervorzukramen. Dann gab es mal irgendwelche amerikanischen Sachen von 1992 oder mal eine Aussage irgendwie von 1997. Aber alles nicht mehr wirklich aktuelles Material.
Sprecher 4 Also wirklich eher zu Fundraisern als Person oder zu?
Sprecher 1 Zu Fundraising im Allgemeinen. Okay.
Sprecher 4 Das haben wir halt, wie gesagt, auch noch in unserer Präsentation drin. Das muss man vielleicht auch noch sagen. Das ist leider, weil wir ein paar technische Probleme hatten. Nicht ein bisschen kurz gekommen, aber wir haben auch. Also es gibt in der Verhaltensökonomik schon einen großen Schwung an Studien, die verhaltensökonomische Theorien testen, die aber gerne Fundraising als Setting nehmen.
Sprecher 3 Das ist also eine sehr junge Literatur, die sich gerade am Entwickeln ist. Aber auf einem extrem aufsteigenden Ast, sodass es da einiges an Literatur gibt, die aber überhaupt nicht rezipiert wird von Praktikern.
Sprecher 2 Das haben wir eben auch schon gemerkt. Da muss man vielleicht mal drüber nachdenken.
Sprecher 4 Also da können wir gerne auch Sachen weiterleiten. 2017 hatten wir viele Sachen präsentiert, das kam sehr gut an. Und dieses Jahr hatten wir auch noch ein paar ein Backup, die schicken wir auch rum. Also beispielsweise kann man das ja sehr gut messen, wie wirken sich zum Beispiel Reminder aus auf Spendenhöhe. Hat man jetzt gefunden in Dänemark, in Kirchengemeinden Reminder. Wirken erstmal positiv auf die Anzahl der Spenden, führen aber auch dazu in dem Setting, dass sich mehr Leute abmelden von einem Newsletter und solche Geschichten.
Sprecher 1 Aber allein sowas, da gibt es ja gibt es ja bislang nur individuelle Erfahrungen in den jeweiligen einzelnen Organisationen. Ich kriege gerade Tränen in den Augen, wo er sagt, Kirche Dänemark, jetzt habe ich ein bisschen Einblick in den deutschen kirchlichen Bereich, wo ich sage, die Promille würden überhaupt nur einen Reminder schicken. Ja, super spannend.
Sprecher 4 Also da könnten wir noch viel aus dem Nähkästchen plaudern oder vielleicht sehr gut veröffentlicht auch so eine Studie, da haben sie getestet. Es gibt ja diese wenn so Produkte verkauft werden für wohltätige Zwecke. Da gibt es ja immer dieses Konzept, okay, kostet, die haben es getestet in einem Freizeitpark in den USA, mehreren Wochen, und haben dann so ein bisschen variiert. An einigen Tagen gab es halt dieses Konzept Da konnte man Pay What You Want machen, an anderen Tagen Festpreis und dann gab es Pay What You Want und die Hälfte davon, was man fürs Foto von Achterbahn bezahlt hat, ging an wohltätigen Zweck. Und dann gab es natürlich die klassische Variante 1250 und die Hälfte davon geht für wohltätigen Zweck. Und da hat man herausgefunden, dass man durch Pay What You Want mit 50% für den wohltätigen Zweck auf jeden Fall nochmal die Spenden deutlich steigern konnte. Also pro Kopf irgendwie, glaube ich, das Vierfache.
Sprecher 1 Also was ich auf jeden Fall glaube, ist, dass wir nach der Aufnahme hier nochmal gucken sollten, wie ihr auch da zu diesem Masterstudiengang möglicherweise nochmal Kontakt kriegt, weil der jetzt gerade erst mit dem ersten Durchlauf begonnen hat. Und auch sicherlich, da die Kollegen in der Hochschule Ludwigshafen sehr dankbar sind, wirklich, aber ich weiß nicht, ob ich nämlich im wissenschaftlichen Bereich und im Austausch wirklich gar nicht aus. Ich weiß nicht, wie das Netzwerk da aussieht.
Sprecher 3 Also für uns wäre es auch sehr spannend. Wir haben nämlich auch seit. Letzten Winter einen Masterstudiengang bei uns im Management sozialer Dienstleistung mit 40 Studierenden und all die MPO-Themen nehmen auch einen sehr großen Stellenwert dort ein.
Sprecher 1 sodass ein Austausch hier, denke ich, auch sehr wichtig ist.
Sprecher 3 Und ich kann das nur unterstützen, dass auch unsere Studierenden Schwierigkeiten haben, Literatur zu finden, vor allem deutschsprachige. Denn das, was er zitiert, ist eben komplett englischsprachig und dadurch auch Auch nicht unbedingt zugänglich für jedermann.
Sprecher 1 Genau, es ist der Masterstudiengang eben Fundraising Management und Philanthropy, der ganz klar sich auf Fundraising Und da kommt jetzt eben auch die ersten Mather Thesis, was ist denn der Plural von Thesis? Ist Thesis, ne? Genau. Kommen jetzt auf den Markt.
Sprecher 2 Du kannst auch Masterarbeit sagen, dann wäre es Arbeit.
Sprecher 1 Master. Ich gebe mal wieder ab an dich. Ich habe schon wieder viel zu viel geredet, was ich eigentlich gar nicht wollte.
Sprecher 2 Okay, also das war ja das Experiment, was sie hier gemacht hat und weitere Studien. Aber sonst experimentiert ihr ja wahrscheinlich auch viel. Seid ihr da in Kontakt mit NGOs auch?
Sprecher 3 Wir haben glücklicherweise vor zwei Jahren einen Kontakt zum LBV bekommen und Bayern.
Sprecher 1 Genau, und das ist ein sehr produktiver Kontakt.
Sprecher 3 Daraus sind schon einige Studien entstanden. Auch in einem Monat werden wir noch mal eine richtig große Aktion durchführen. Und da haben wir einen sehr offenen Partner gefunden.
Sprecher 1 Auf jeden Fall, tolle Kolleginnen und Kollegen, kann man ja betonen.
Sprecher 3 Genau. Und an der Stelle auch wir sind Immer noch an weiteren Kontakten interessiert. Für uns ist einfach der Erkenntnisgewinn wichtig. Wir möchten publizieren. Wir stellen unsere Dienstleistungen quasi kostenlos, jeden zur Verfügung, der über eine interessante Fragestellung verfügt. Und über ein Problem.
Sprecher 2 Meldet euch bei der Unifechter, wenn ihr mal ein interessantes Thema oder wenn ihr ein interessantes Thema für einen verhaltensökonomischen Test habt. Vielleicht sagst du mal ein, zwei Beispiele. Ohne jetzt die Ergebnisse, aber nur, was ihr mit dem Landesbund testet, damit die Leute, wenn sie es jetzt hören, wissen, wo es hingehen kann.
Sprecher 3 Da haben wir uns einfach auch verschiedene Mailings angeschaut. Und die dann auch sehr systematisch sauber getestet. Sauber bedeutet in der experimentellen Wirtschaftsforschung, dass man wirklich nur einen einzigen Faktor variiert Das ist ganz entscheidend und das wird in der Praxis sehr häufig anders gemacht. Ja, das Problem kenne ich. Und ja, wir machen auch vorher Poweranalysen, überlegen uns. wie groß müssen die statistischen die Stichproben sein, welche Tests verwenden wir. Das haben wir alles begleitet und haben da auch die eine andere Erkenntnis drausgezogen. Und jetzt werden wir am Tag der Franken eine sehr interessante Aktion machen. wo wir verschiedene Ansprachen sehr systematisch testen werden und uns anschauen, inwiefern Geschenke, kleine Geschenke vielleicht Gut ankommen, aber wenn man die Leute um eine Mithilfe bittet, was von ihnen fordert, vielleicht noch besser ankommt. Da gibt es so eine schöne Theorie, Benjamin-Franklin-Theorie, und die wollen wir dort dann testen im ganz großen Stil.
Sprecher 1 Wunderbar. Also ich habe ja echt gedacht, das wird so eher eine zu wissenschaftlich zahlenbelastete Folge hier, wo ich wirklich raus bin. Ich habe gerade ganz viel Kopfkino und also auch angefangen von Kontakt Ich würde mal sagen, wir haben nicht das letzte Mal von euch gehört.
Sprecher 3 Das wäre toll.
Sprecher 1 Das glaube ich auch, ja.
Sprecher 3 Also wir werden nächstes Jahr auf jeden Fall auch wieder dabei sein, wenn wir dürfen, weil uns hat es hier sensationell gut gefallen.
Sprecher 1 Ja, das ist doch nicht so gut. Umso besser. Dann brauche ich aber gleich nochmal eure Visitenkarte, damit wir eure Kontaktdaten auch tatsächlich in die Shownotes packen können.
Sprecher 2 Wenn ihr nächstes Jahr wiederkommt, dann machen wir auf jeden Fall auch wieder eine Folge.
Sprecher 1 Perfekt. Danke für euer Hiersein, danke für eure Zeit. Und ihr habt jetzt. Perfekt den Zeitpunkt zum Mittagessen abgepasst. Stark. Dankeschön.
Sprecher 3 Danke. Danke.
Sprecher 1 So, ihr könnt reden.