Notre Dame brannte ab und sofort waren Spenden in Milliardenhöhe da. Journalist Michael Güthlein formuliert seine Gedanken dazu.
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Transkript
Sprecher 1 So, ich lege einfach mal los. Vielen, vielen Dank, dass Sie hier sind. Herzlich willkommen. Herzlich willkommen alle DFRV-Mitglieder. Herzlich willkommen alle Freundinnen und Freundinnen. Sehr geehrte Damen und Herren, und zukünftige DFRV Mitglieder, natürlich, liebe Kongressteilnehmer, Ich habe die Ehre, Sie heute hier herzlich willkommen zu heißen. Gefühlt sind wir irgendwie schon mittendrin im Kongress, denn wir hatten. Gestern ja schon unseren Fachtag Digitales, ein Novum, sozusagen in Kombination mit dem Kongress da. An der Stelle einen ganz herzlichen Dank. Ich war tatsächlich sehr überwältigt, auch von der Resonanz und von dem Engagement der Fachgruppe Digitalis. Ich glaube, das hat einen sehr schönen Akzent nochmal gegeben. Herzlichen Dank dafür. Und auch die Masterclasses haben schon einen schönen Auftakt gegeben für den gesamten Kongress. Da konnten sich intensiv, konnten sich die Leute intensiv mit den unterschiedlichsten Themen. beschäftigen unter anderem mit Schwertern, mit Löwen etc. mit großartigen Geschichten. Herzlichen Dank an die Referenten und Referentinnen Jetzt beginnt sozusagen das offizielle große Programm und ich möchte Sie da auf einige Besondere Punkte noch mal aufmerksam machen auf unsere Big Sessions. Einmal der Faktor Mensch, der Die erste Big Session darstellt und dann ein weiteres topaktuelles Thema Fundraising am rechten Rand. Sie wissen, ich bin ein Menschenrechtsaktivist, insofern das Thema interessiert mich brennend, auch wie sich der Verband dazu positioniert Und ich bin sehr gespannt, einerseits auf die Big Session, andererseits auch darauf, was in der kleineren Session danach nochmal in einer kleineren Runde auch diskutiert wird und was wir daraus auch ableiten können, wie wir uns dazu verhalten. Und ich bin auch noch froh, jemanden begrüßen zu dürfen. Stefan Diefenbach-Trommer, ist er hier? Noch nicht von der Allianz Rechtssicherheit für politische Willensbildung, nicht der griffigste Name, aber sehr wichtige Allianz. die das Thema Gemeinnützigkeit sehr stark vorantreiben, auf der politischen Ebene, aber auch in der Öffentlichkeit. Wir stehen im engen Kontakt und sind dabei, dieses Thema insbesondere auch noch mal nach dem Attack-Urteil voranzutreiben. Und da haben wir auch noch mal eine Möglichkeit, eine kleine Table-Session bei uns am DFAV-Stand um 17. 40 Uhr heute. Sind Sie herzlich eingeladen, sich dazu auch nochmal zu versammeln und auszutauschen. Kai Fischer wird auch mit dabei sein. Und Dr. Mecking aus unserem Rechtsausschuss. Werde da kompetente Informationen zu geben. Ich glaube, das ist ein sehr wichtiges Thema, insbesondere auch für die Stärkung der Zivilgesellschaft und natürlich auch für das Fundraising und die Kultur des Gebens. Ein weiterer Punkt ist natürlich Unsere Abschlusskeynote. Ich fange quasi von hinten an. Da geht es um Fake News und Fundraising im Netz. Also bleiben Sie auf jeden Fall noch bis ganz zum Schluss. weil man da, glaube ich, auch nochmal ganz wertvolle Informationen und Tipps mitbekommen kann, wie man sich in solchen Situationen auch verhalten kann. Nochmal aus meiner Position Menschenrechtsaktivistin, ich habe auch schon mehrere Attacken. auch an meine Person und an meine Organisation, für die ich ehrenamtlich engagiert bin, miterlebt und ich weiß auch, was für Auswirkungen das haben kann, sowohl was das persönliche Sicherheitsempfinden angeht, als auch was die finanziellen Auswirkungen angeht. Also seien Sie bis zum Schluss am Freitag mit dabei. Es lohnt sich auf jeden Fall. Eine weitere Neuerung haben wir im Kongressprogramm. Das ist das Karrierespezial, auch am Freitag. Da lade ich Sie herzlich zu ein, sich dort rund um den Arbeitsmarkt Fundraising zu informieren. Jetzt will ich für unseren Gast, den ich schon mal so auf den Weg hier nach oben heraufbitte, Michael Gütlein. Hat ein top aktuelles Thema beleuchtet in einem seiner Artikel in der Chris Mon. Titel Mehr als nur Steine. Da gab es sehr, sehr unterschiedliche Diskussionen zu, und ich glaube, da waren auch so die Punkte, was sagt der Bauch, was sagt das Herz, was sagt der Verstand eines Profi-Fundraisers, waren da sehr unterschiedlich angesprochen. Ich bin in Frankreich aufgewachsen. Ich bin unter anderem mit der Familie Ricard, saß ich mit fünf Jahren im Optimisten mit den Kindern und habe sozusagen zu den Familien in Frankreich, auch und auch mit dem Nationalstolz und all sowas auch Ein ganz persönliches Verhältnis und habe das Thema auch in der französischen Presse auch mitverfolgt. Sehr, sehr spannend Und ich freue mich, Michael, dass du hier bist. Für uns ist es sehr differenziert beleuchtest. Ganz kurz dazu, ich will es nicht vorwegnehmen, aber er hat sich geaut, er ist kein Fundraiser. Und kann, glaube ich, für seine eigene Initiative die er ehrenamtlich mit betreut. Noch viel von ihnen lernen. Das hat er mir schon im Vorhinein gesagt. Ein Punkt ist ja auch immer, wie geht man mit Spendern und Spenderinnen, Großspendern und auch Sponsoren und Partnern um. Deshalb noch einmal kurz der Hinweis. Kannst du auch direkt dran lernen. Und dann lernen wir von den Konflikt- und friedenspolitischen Dingen, die du uns mit auf den Weg gibst. Ich möchte Sie noch herzlich dazu einladen. Diese kleine Sponsorenkarte. Da gibt es noch eine kleine Laufkarte. Die kann man ausfüllen, indem man die unterschiedlichen Stationen einmal besucht. und dann abgeben und man kann ein Ticket für den nächsten Kongress gewinnen. Und deshalb das Wichtigste beim Fundraising ist ja, einerseits zu fragen, bitte Spende, aber auch das Dankeschön. Also auch an dem Punkt noch mal ganz herzlichen Dank an unsere Partner und Sponsoren. Dass sie das hier ermöglichen. Wir haben extra auch dafür gesorgt, dass das Wetter nicht so ist wie in den letzten Jahren, dass alle sofort immer rausströmen, sondern bleiben Sie gerne dort und informieren Sie sich. Michael, ich freue mich, Notre Dame, das Top-Thema, leg einfach los. Dankeschön.
Sprecher 2 Good morning. Meine Damen und Herren, bevor ich anfange, möchte ich kurz sagen, dass ich mich natürlich auch sehr, sehr freue, heute hier sprechen zu können beim Deutschen Fundraising-Kongress, dass ich eingeladen wurde und mich auch auch sehr geehrt fühle. Das ist natürlich auch ganz schön aufregend, jetzt vor so vielen Menschen zu sprechen. Noch dazu, weil ich, wie Frau Probst eben erwähnt habe, hat kein Experte bin, sondern Laie im Thema Fundraising. Ich hoffe trotzdem, dass ich Ihnen ein paar Impulse mit auf den Weg geben kann und im Anschluss können wir auch ein bisschen noch diskutieren. Und ich bin gespannt, was dann dabei so rauskommt. Kommt. Ganz kurz möchte ich mich Ihnen noch vorstellen. Ich heiße Michael Gütland, bin 29 Jahre alt und wohne in Frankfurt. Ursprünglich komme ich aus Oberfranken und ich schreibe für das evangelische Magazin Chris Mon. Das kennen Sie eben vielleicht als Beilage in großen deutschen Zeitungen, da liegt das einmal mit drin, da kann man uns dann so aus der Zeit- oder aus der Süddeutschen rausschütteln und überraschend viele lesen uns dann auch. Und vielmehr möchte ich Ihnen gar nicht über mich sagen, denn im Gegensatz zu Frau Propst war ich noch nie in Paris. Trotzdem war ich am 15. April ziemlich schockiert oder zumindest sehr überrascht, als ich auf mein Handy geguckt habe und gesehen habe, dass Notre Dame brennt. Dass er also die Einmeldung gelesen, Notre Dame steht in Flammen von allen Medien und das war schon erstmal ein kleiner Schock Ich hatte an dem Abend Freunde zum Abendessen da und nach kurzer Zeit hingen alle an den Handys, haben Twitter und sämtliche sozialen Medien gescannt und Es gab nur noch dieses eine Gesprächsthema. Das Interessante fand ich, dass niemand von uns eine direkte Verbindung hatte. Also Von einer Freundin, der Onkel wohnt in Paris, und zwei, drei hatten die Kirche auch schon gesehen, aber es gab von niemandem einen wirklich Bezug. Und trotzdem hat das alles von uns irgendwie in irgendeiner Weise berührt. Ein Laptop aufgestellt mit einem Livestream und dann haben wir gesehen, wie vor unseren Augen ein europäisches Wahrzeichen, die berühmteste französische Kirche Abbennt und wie dann aber auch später sich tausende Menschen versammelt haben, fassungslos waren, geweint haben, aber auch gebetet und gemeinsam gesungen haben. wie während der Vierungsturm in der Mitte des Gebäudes einstürzte, auf der einen Seite diese dramatischen Bilder, auf der anderen Seite auch diese sehr emotionalen. Und ich muss sagen, dass diese Bilder haben sich mir sehr buchstäblich eingebrannt, Ihnen vielleicht auch Und ich glaube, es sind auch irgendwie ikonische Bilder geworden. Also wenn man später auf das Jahr 2019 zurückblicken wird, wird man auch immer das Brennende Notre Dame. Das wird immer einer der Punkte im Jahresrückblick sein. Noch in derselben Nacht kamen dann die guten Nachrichten, also erstmal der Brand war unter Kontrolle gebracht, ziemlich sicher, dass die. . die Struktur des Gebäudes gerettet war und es soweit erstmal auch alles unter Kontrolle gebracht ist. Präsident Macron hat dann versprochen, das Gebäude wieder aufzubauen und auch gesagt, in fünf Jahren haben wir das geschafft. Ob das jetzt wirklich hinhaut oder nicht, sei mal dahingestellt. Aber was wichtig war, der Wille war da, das Bekenntnis war da und dann war vielleicht noch die Frage nach dem Geld. Am nächsten Morgen am 16. April saß ich beim Frühstück und dann wäre ich tatsächlich fast vom Stuhl gefallen, als mein Mitbewohner mir gesagt hat Dass die reichsten oder eine der reichsten französischen Familien 100 Millionen Euro an Spenden zugesichert hat für den Wiederaufbau. 100 Millionen Euro. Im Laufe des Tages hat sich dieselbe Summe dann noch verdreifacht und bis jetzt haben wir, glaube ich, ungefähr, sind etwa eine Milliarde an Spenden zugesichert für den Wiederaufbau von Notre Dame. Eine Milliarde Euro, 1000 Millionen Euro. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten ihrer Organisationen ziemlich zufrieden werden mit so einer Summe, vor allem nach drei Tagen Fundraising. Auch eher passives Fundraising vielleicht. Und wenn man sich das überlegt, eine Milliarde Euro für Notre Dame, ist das jetzt toll? Weil schön die Kirche wird wieder aufgebaut, ist alles gut ausgegangen oder ist es absurd? Das war die Frage, die sich mir dann sehr schnell aufgedrängt hat. Was es auf jeden Fall ist, das ist vielleicht auch dann so meine Journalistenperspektive, es ist eine Geschichte. Es ist die Geschichte erst von einer Tragödie, die sich in Echtzeit vor unseren Augen abspielt und die sich dann zu einem guten Ende drehen könnte. Also eine Geschichte vom Anpacken, vom Zusammenhalten, vom sich nicht unterkriegen lassen, dass es doch noch irgendwie gut ausgehen kann und dass es auch so schnell gut ausgehen kann. Man hat erst diesen Schrecken und dann wird aber klar, okay, wir bauen es wieder auf. Wir kriegen das Geld zusammen, es wird irgendwie gut. Man muss sich das auch mal vorstellen in dem heutigen Kontext. Eine vom Feuer zerstörte Kirche wird gemeinsam wieder aufgebaut. Eine Kirche, ein religiöses Gebäude. Wenn man sich anguckt, die stetig sinkenden Mitgliederzahlen, die Missbrauchsskandale, dann finde ich, ist das schon fast ein kleines Wunder, dass sich so viele Menschen darauf einigen können, auch eben sehr einflussreiche Menschen, zu sagen, ja, wir wollen das wieder, wir wollen das Dass das wieder aufgebaut wird. Und solche Geschichten, solche Erfolgsgeschichten ermutigen die Menschen natürlich auch. Die Botschaft, die dahinter steckt, lautet natürlich, schlimme Ereignisse können einfach gut ausgehen, wenn wir alle zusammenhalten, wenn wir alle zusammenhelfen. Und wenn man sieht, es gibt schon hohe Spenden, motiviert das natürlich auch den Einzelnen zu sagen, ja gut, es ist ja eh schon Haufen zusammengekommen, da kann ich auch noch meins dazu geben, weil es wird wohl was in Bewegung kommen. Aber natürlich regen sich auch Zweifel, sind das nicht nur alte Steine, die wir da bezahlen, den wir spenden? Wer geht heute überhaupt noch in eine Kirche? Also vor allem regelmäßig? Wem bedeutet diese Kirche so viel? Welchen Zweck erfüllt so ein Gebäude noch? Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass Notre Dame ein großer Zweck, den es erfüllt, ist, dass es ein schöner Hintergrund für Selfies ist. Und warum spenden dann reiche Menschen so wahnsinnig viel Geld dafür? Aber für Obdachlose, Alte, Kranke, Hungernde und Flüchtlinge gibt es dann nichts. Also natürlich, da muss ich jetzt ein bisschen zurückrudern, mir ist klar, dass reiche Menschen, auch sehr, sehr reiche Menschen, für viele andere Anlässe und Zwecke auch spenden. Sei das für irgendwelche karitativen Zwecke, dass sie Stiftungen gründen und dass sie auch bei anderen Katastrophen Geld geben. Das ist mir durchaus bewusst. Dennoch halte ich es für angemessen, zumindest die Frage zu stellen, ob eine Milliarde Euro Spenden für ein Gebäude, was es ja dann tatsächlich doch ist, ethisch richtig sind. Denn ohne Zweifel spielt beim Wiederaufbau von Notre Dame natürlich auch Prestige eine große Rolle. Also die Namen der Spender werden für immer mit der Kirche verbunden sein, vor allem die der Großspender. Und das wird im Zweifel ein paar Jahrhunderte länger wirken als ein Modeimperium oder ein Unternehmen. Zu mir hat vor ein paar Tagen jemand gesagt, ich kann für ein Gebäude nichts empfinden. Da musste ich nachdenken und habe mich gefragt, wirklich? Also auch nicht für das eigene Elternhaus. Ich weiß nicht, ob Sie vielleicht christlich aufgewachsen sind, aber stellen Sie sich vor, die Kirche, in der Sie getauft wurden, stürzt ein oder brennt ab. Oder Ihre Grundschule, in der sie lesen und schreiben gelernt haben. Von mir aus der Kindergarten ihrer Enkel, Ihre Lieblingskneipe, das kleine Kino ums Eck, das Sportheim oder das Fitnessstudio. Dann habe ich mich gefragt, wofür würde ich persönlich eigentlich spenden? Für den Kölner Dom oder das Brandenburger Tor? Nicht unbedingt. Für die Kirche in meinem Wohnort in Frankfurt. Ja, vielleicht, aber da habe ich auch keinen so wahnsinnigen Bezug dazu. Für die Kirche in meinem Heimatort, in dem ich getauft wurde, in dem meine Großeltern beerdigt wurden, da schon eher. Da, denke ich, würde ich mich schon bewegen lassen Geld in die Hand zu nehmen, um da mitzuhelfen, beizutragen. Und liegt das jetzt an der geografischen Nähe oder ist das die persönliche Identifikation? Ich habe schon erwähnt, es wurde schon erwähnt, dass ich für das evangelische Magazin Chrismon arbeite und wir haben dort eine Rubrik, die heißt Das Projekt. Da stellen wir jeden Monat engagierte Initiativen, Vereine, manchmal auch einzelne Personen vor, die sich für etwas einsetzen, für karitative Zwecke. Dafür Geld benötigen. Die suchen wir aus, die sprechen wir an und dann porträtieren wir die, weil sehr oft Leute auf uns zukommen und gefragt haben: hey, wir würden gerne für irgendwas spenden, habt ihr da irgendwie eine Idee? Ich habe dann also Beispiele sind zum Beispiel für Sexualerziehung in Kenia, für Erdbebenopfer in Mexiko, für dringend notwendige Operationen in Brasilien. Und dann habe ich mich gefragt, wofür am meisten gespendet wird. Ich bin dann zu meiner Kollegin gegangen, die die Rubrik betreut und habe sie mal darauf angesprochen. Und ich dachte, naja, vermutlich für Projekte in Deutschland, für krebskranke und Kinder oder Demente, Seniorenheime, für solche Initiativen. Aber da lag ich falsch. Am erfolgreichsten sind Projekte, einmal in denen explizit Frauen unterstützt werden, also Initiativen, die sich für ehemalige Zwangsprostituierte einsetzen oder für Opfer oder Überlebende von Kriegsvergewaltigung. Und das fand ich noch gar nicht so überraschend, aber was mich dann doch irgendwie interessiert hat, war, die meisten Spenden fließen an kleine, sehr überschaubare Projekte im Ausland. Und meine Kollegin meinte, naja, es ist schon auch ein bisschen verständlich, weil die Nähe ja auch relativ ist. Für jemanden, der in Oberbayern wohnt, ist ein Projekt in der Lüneburger Heide Genauso weit weg wie ein Projekt in Damaskus. Das ist einfach eine andere, das ist zwar in Kilometern weiter, aber die Distanz ist trotzdem irgendwie vorhanden. Genauso wie ich mir überlegen würde, okay, jetzt so ein Projekt in Hannover ist bestimmt auch was Gutes, aber ich fahre vielleicht dreimal in der Stadt. Also warum sollte ich dahin spenden? Also auch die Nähe ist irgendwie relativ. Worauf ich hinaus will, ist, dass uns unterschiedliche Dinge unterschiedlich viel bedeuten. Und es ist schwierig, die miteinander zu vergleichen und abzuwägen, was hat jetzt mehr Wert, wo ist es sinnvoller. Also wer ist ärmer dran, ein Obdachloser am Frankfurter Hauptbahnhof oder ein Jugendlicher, der übers Mittelmeer? Gefahren ist und jetzt in einem griechischen Flüchtlingscamp sitzt oder ein Opfer von häuslicher Gewalt in Schweden, das ist natürlich eine unauflösbare Gleichung. Da kann man nicht einfach zu einem Ergebnis kommen. Deswegen würde ich sagen, ja, das ist auch irgendwo ein ethisches Dilemma. Also kann man sich fragen, wie kann man dieses Dilemma denn aufbrechen? Und da gab es auch Versuche. Ich habe davon gelesen, seit einiger Zeit gibt es eine soziale Bewegung namens effektiver Altruismus. Das Prinzip Spenden nach Strengen empirischen Kriterien. Also dorthin, wo mein einer Spendeneuro den größten Impact hat, den meisten Effekt, die größte Auswirkungen. Also genau nach einem Kosten-Nutzen-Schema streng rational überlegt. Das klingt auch erstmal irgendwie vernünftig. Aber wenn man dann genauer nachdenkt, dann führt es dazu, dass Bedürftige, deren Unterstützung einfach mehr Geld kostet, leer ausgehen. Malaria lässt sich einfach kostengünstiger eindämmen als eine Krebsbehandlung. Dürfte man dann nicht mehr für die Krebshilfe spenden? Mitgefühl und Nächstenliebe sind für die meisten Menschen und auch für mich persönlich nicht weniger bedeutsam als Vernunft. Die Frage ist ja, für wen hat irgendetwas so eine große Bedeutung, dass er oder sie dazu animiert wird, Geld in die Hand zu nehmen und dafür zu spenden? Und die meisten von Ihnen würden vermutlich eher für den Kölner Dom oder das Brandenburger Tor spenden als für meine Heimatkirche. Das macht jetzt aber keine dieser beiden Spenden irgendwie verwerflich oder schlechter. Es hat einfach andere Beweggründe. Denken Sie auch an die Debatte um den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam, die 1968 in der DDR gesprengt wurde und jetzt von vielen Leuten wieder aufgebaut werden will als Zeichen der Versöhnung, als großes Symbol der Versöhnung. Aber andere halten dagegen, dass es natürlich auch ein Symbol der Nazi-Propaganda war. 1933 haben sich im März Hitler und Hindenburg da die Hand geschüttelt am Tag von Potsdam. Also steht für viele Menschen diese Kirche auf der einen Seite für Versöhnung, für die anderen steht es für was komplett anderes. Das sind zwei total gegensätzliche Pole in einem Gebäude, in einem Symbol vereint. Oder wenn man sich auch etwas weniger Kontroverses als Beispiel nehmen will, der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Das ist heute auch ein Mahnmal gegen den Krieg. Gerade Kirchen sind nämlich wirkmächtige Symbole, auch für nichtreligiöse Menschen. Sie sind Teil einer kulturellen Identität und der nationalen Geschichte. Und solche Symbole existieren, ich hatte es ja vorhin schon auch kurz erwähnt, viel länger als ein Menschenleben. Die verbinden Generationen und Gesellschaften über Jahrhunderte hinweg. Deshalb spenden die Bewohner von einem Dorf auch wahrscheinlich mehr für den Wiederaufbau ihrer kleinen Dorfkirche oder für die Renovierung als für einen Erdrutsch in Malaysia. Notre Dame ist als Kirche auch ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen können. Noch dazu ist es nicht irgendeine Kirche, sondern die bekannteste Kirche Frankreichs und vielleicht Europas, vielleicht einer der bekanntesten der Welt. Sie ist da auch Teil des bekannten französischen Nationalstolzes. Für den Wiederaufbau zu Spenden bedient dann natürlich auch so eine Art nationaler Narzissmus. Da hilft man einfach gerne mit. Und einen weiteren Aspekt darf man nicht außer Acht lassen, nämlich man kann Notre Dame wieder aufbauen. Stein für Stein. Man kauft die Steine, man kauft das Baumaterial, man beauftragt Architekten und Restauratoren und Baufirmen und irgendwann steht es wieder, irgendwann wird das wieder da sein, ob das jetzt in fünf Jahren ist oder in zehn oder in 50. Es wird einen sichtbaren Abschluss haben. Es hat ein Ergebnis, das jeder Spender sehen und auch anfassen kann. Jeder kann hingehen und sagen, hier der Stein, das sind meine 5 Euro, die ich gespendet habe. Hunger hingegen, Armut, Katastrophen, die wird es immer geben. Und auch Spenden können da nicht immer alles wiedergutmachen. Sie können helfen, aber es ist natürlich nicht so, dass man dadurch irgendwas völlig revidieren kann. Und Bildungschancen, soziale Gerechtigkeit und Integration. Sind auch nicht einfach durch viel Geld zu erreichen, dazu braucht es gesellschaftliche Veränderungen. Die sind nicht so erfolgsversprechend, wenn ich da einfach nur Geld gebe und so greifbar wie der Wiederaufbau eines Gebäudes, wo ich dann eben hingehen kann. Sagen kann, hier steht es, ich sehe es ja, ich sehe ja, wie es jeden Tag weiter wächst. Und das macht es für viele Spender einfacher, da ihr Geld zu spenden, weil sie wirklich den Erfolg auch sehen. Es ist also bemerkenswert, dass die Reichsten einer Gesellschaft sich einbringen, um Gutes zu tun. Und ich will das auch überhaupt nicht verurteilen. Orte wie Notre Dame, wenn sie auch in Solidarität neu aufgebaut werden. Die sind dann auch ein Platz, an dem wir über Gemeinsinn und Verantwortung nachdenken können und auch nachdenken müssen. Es ist gut, wenn Vermögende dazu beitragen, dass solche Wahrzeichen wiederhergestellt werden. Es wäre aber natürlich noch besser, wenn wir an diesen Orten dann darüber nachdenken, was Solidarität heute für uns bedeutet und wen sie alles mit einschließen sollte. Ist die Kritik an den hohen Spenden also ungerechtfertigt? Ist das kleinlich? Ist das unfair? Nein, finde ich eigentlich nicht. Es davon muss gefragt werden, was mit den anderen ist. Mit den Armen, mit den Hungernden, mit den Kranken, Obdachlosen und Flüchtlingen. Was würde eine Milliarde Euro, wenn man sie Stadt von Notre Dame ausgeben würde, für Familien bedeuten, die in Mosambik im Zyklon der letzten Wochen alles verloren haben? Was würde es bedeuten für die Kirchengemeinden, die in Sri Lanka Opfer von Terroranschlägen waren? Oder für hungernde Kinder im Jemen Das bedeutet nicht, dass man Leid mit Leid aufwiegt. Es bedeutet einfach, eine Perspektive zu erweitern. Beim nächsten Mal kann man dann vielleicht auch einfach ein paar Euro aufbringen für eine Katastrophe, die nicht so greifbar ist, nicht so revidierbar wie eine Brändekirche in Frankreich. Also es soll einfach zum Nachdenken auch anregen und dafür ist die Diskussion und die Debatte einfach an sich wichtig, ohne dass man vielleicht zu einem konkreten Urteil kommt, ja, es ist gut, nein, es ist schlecht. Nachdem ich selber viel über Notre Dame gelesen und nachgedacht und diskutiert habe, bin ich für mich zu einem Schluss gekommen. Und zwar nicht alles, was wir als Menschen tun, ist rational und pragmatisch und vernünftig und logisch. Wir können nachdenken, ja. Aber wir haben auch ein Herz und unser Herz reagiert einfach auf andere Dinge als unser Kopf oder unser Bauch. Vor allem nicht immer nur auf pure Vernunft und pure Logik. Also wir lassen uns von süßen Tierbabys im Zoo berühren und essen am nächsten Tag, ohne darüber nachzudenken, Kalbsschnitzel und sehen das auch nicht als Widerspruch an. Wir freuen uns, wenn Prinz Harry und Megan Markle ein gesundes Kind zur Welt bringen. Wir sind traurig, wenn eine große Schauspielerin wie Hanelora Elsner stirbt, obwohl sie wahrscheinlich keiner von uns hier persönlich gekannt hat. Und dasselbe Herz kann aber auch schweigen, wenn wir lesen, es sind wieder 100 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Oder Dutzende Menschen sterben bei einer Autobombe in Bagdad. Oder eine Schlammlawine hat 20 Dörfer in Brasilien zerstört. Muss man das verurteilen? Ich finde, Kopf und Herz stimmen da einfach selten überein. Und manchmal ist das Herz auch sehr, sehr weit weg vom Kopf. Vielleicht sollten Sie und vielleicht sollten wir alle versuchen, beides zu erreichen. Vielen Dank.
Sprecher 1 Ja, ganz herzlichen Dank, Michael Gütlein. Für auch die gedankliche Reise, also nicht unbedingt die Fundraiser-Perspektive, sondern tatsächlich eher auch deine sehr persönliche gedankliche Reise. Durch das Phänomen Notre Dame und auch die Spender Motivation, wie wir das nennen. Ich würde gerne Die Session jetzt für Fragen aus dem Publikum eröffnen. Und hier sind auch Saalmikrofone unterwegs, ist das richtig? Ja, perfekt. Also, legen Sie los. Michael Gütlein steht bereit. Ich freue mich. Aha, Gerhard Wallmeyer aus der Ethikkommission.
Sprecher 3 Das, was ich sage, hat damit gar nichts zu tun, sondern mit mir ganz persönlich. Für mich ist Notre Dame noch was ganz anderes. Es ist ein faszinierendes Gebäude, ist der totale Gegenentwurf zur aktuellen Lego-Baukultur, Architektur. Und deswegen hat mich das wahnsinnig berührt. Wenn das nicht schon finanziert werde, ich persönlich würde sofort dafür spenden. Es war der Aufbruch der Gotik, die Idee, die in diesem Gebäude ist, wenn man nur im ersten Blick drauf guckt, als ich zum ersten Mal das Ding gesehen habe. Ich war auch mal drin. Es ist mitreißend, so wie es gebaut ist. Es ist faszinierend. Und das brennt ab. Da stürzt doch ein Weltbild zusammen. Das ist die Idee der Gotik. Und deswegen fasziniert es auch so. Es ist so Filigran gebaut, wie keine andere Kirche dieser Welt. Und das ist das, was auf den ersten Blick fasziniert. Und ich glaube, deswegen ist es überhaupt die Kirche Frankreichs geworden, weil die Architekturidee da drin so faszinierend ist, die da drin ist. drin steckt. Dadurch ist es zu dem Symbol geworden, was es ist, und deshalb haben die Franzosen natürlich viel wild dafür gespendet. Das ist ein Aspekt, den darf man nicht unterschätzen. Einfach nur ein Bild, ein Foto angucken von der Kirche. Ich irre die Kirche.
Sprecher 4 Ja, ich würde auch gern mich da so auf einer anderen Warte anschließen, Marita Heiber. Es ist aus meiner Sicht nicht gut für uns aus der Fundraising-Perspektive, also die Diskussion ist wichtig, aber Spendenzwecke gegeneinander auszuspielen. Und es gibt ja auch den Fakt, dass so diese Spenden im humanitären Bereich in vielen Ländern, auch in Deutschland, ganz, ganz oben sind. Also es ist nicht so, dass niemand dafür spendet. Und das haben nicht nur die Milliardäre für Notre Dame gespendet, sondern auch ganz viele Menschen. Nicht nur in Frankreich, sogar in Deutschland gibt es ganz viele. Also von daher ist es wirklich sozusagen gut, das mal zu beleuchten, aber gleichzeitig auch das so im Großen und Ganzen einzuordnen. Also von daher möchte ich eigentlich eher drüber nachdenken, wie noch sehr viel mehr gespendet werden kann für alles Mögliche.
Sprecher 2 Ja, da möchte ich vielleicht ganz kurz drauf eingehen. Ich möchte Ihnen da gar nicht widersprechen. Ich habe auch schon gehört, dass das hier so ein bisschen das Mantra ist, der Spenderwille ist heilig. Das mag so sein, aber natürlich versuchen auch Sie alle, diesen Willen so ein bisschen in Ihre Richtung zu ziehen. Und nur weil das so ist, dass der Spender mit seinem Geld tun kann, was er will, finde ich es trotzdem In Ordnung, mal nachzufragen, ob das auch immer klug oder ethisch korrekt ist. Einfach als Diskussion, um auch vielleicht mal zu einem anderen Ergebnis zu kommen.
Sprecher 1 Weitere Fragen?
Sprecher 5 Ja, gerne. Melanie Stöhr, Umweltstiftung Greenpeace, hallo. Bei mir, also mir ging das ähnlich wie Wallmeyer. Ich war völlig. Geschockt, also auch Sie waren ja geschockt, Sie haben das beschrieben. Da habe ich natürlich auch überlegt, was ist das eigentlich? Bei mir war es nicht der Bau, sondern bei mir war es dieses europäische Symbol. Also das hat einfach stark mitgeschwungen und ich würde auch sofort spenden dafür. Dann habe ich aber gehört, wie viel da schon gespendet worden ist. Dachte ich, nein, ist nicht nötig. Aber eine andere Gedanke als Fundraiser kam für mich, ach guck mal. Diese Spendenwelle ist ja auch ein Vorbild in dem Sinne, also A regt es eine kritische Diskussion unter Umständen an, aber es zeigt, Spenden wirkt. Spenden hilft. Also ich bin einfach gespannt, ob sich das in irgendeiner Form auswirkt, wenn wir in einem Jahr auf unseren Spendenmonitor gucken. Ob das sozusagen dieses Beispiel, dass große und kleine Geldinhaber sich zusammentun, um so ein Symbol zu retten, wieder aufzubauen, auch eine Wirkung hat. In der breiten Ebene des Spendens, dass man sagt, das habe ich wieder im Kopf. Ja, ich kann ja eigentlich was bewirken, auch in kleineren Projekten, auch mit der Nähe, meinetwegen, an meinem Heimatort oder what it is, dass man da, also das ist meine Hoffnung als Funpreiser, dass ich sagen, das ist ein super Symbol, klasse. Gucken wir doch mal, was es bei uns in der Szene generell macht. Da kann man europäisch drauf gucken, da kann man in Deutschland drauf gucken. Also ich bin gespannt, wie der Spendenmonitor im nächsten Jahr aussieht. Also ich hoffe, dass wir da einen Impuls sehen, dass das so ein Wachrütteln war. zu sagen, ach guck mal, Spenden gehört irgendwie zum Leben dazu und kann was bewirken. Also das ist meine Hoffnung, von daher gucke ich da ganz positiv drauf.
Sprecher 2 Ja, ich denke, man kann das auch natürlich nutzen, also sollte man auch nutzen, diese Geschichte, um zu zeigen, was man gemeinsam erreichen kann. Ich finde, die Gefahr ist höchstens, dass viele sagen, naja gut, das waren halt die Milliardäre. Also ich glaube, man muss auch sehr betonen, dass und wie viele Kleinspender sich auch beteiligen. Weil wenn ich mir denke, gut, wenn die 5 Milliardäre eh alles irgendwie im Griff haben und machen können, dann kann ich mich ja sowieso raushalten. Also dann sind meine 2 Euro auch egal.
Sprecher 6 Ihr letzter Satz war ja ein Plädoyer für Kopf und Herz. Ist das auch eine Art Plädoyer für Ermutigung zur Irrationalität? Ein Stück weit. Das meine ich gar nicht kritisch, das meine ich ganz ernst. Irrationalität vielleicht im Gegensatz zu dem von Ihnen zitierten Effective altruism zum Beispiel, die ja nun das quasi ausschalten. Und was bedeutet das auch für Fundraiser und die Ansprache von Fundraisern die Ermutigung, hier auch quasi irrationale, auch emotionale Entscheidungen gleichwertig zu sehen?
Sprecher 2 Ja, ich finde schon. Ich finde es völlig legitim, dass Menschen spontan auf Dinge reagieren und dann auch beitragen wollen. und sagen, okay, das berührt mich, da will ich irgendwie mithelfen, mit anpacken, ohne dass man dann ein schlechtes Gewissen haben muss und sich rechtfertigen soll. Also das sich ganz genauso, was Sie da tun können, kann ich Ihnen jetzt auch nicht direkt beantworten, aber ich glaube, es sind Es ist die Frage immer, wen will ich ansprechen? Also wenn ich persönlich für irgendwas spende, dann weil ich irgendeinen Bezug dazu habe. Und nicht unbedingt, weil mich jetzt ein trauriges Kindergesicht. auf einen Brief anguckt. Es tut mir schrecklich leid, aber ich habe es viel zu oft gesehen und es ist für mich nicht mehr der Trigger, dass ich sage, oh Gott. Sondern es sind dann schon irgendwelche Dinge, zu denen ich einen irgendwie persönlichen Bezug oder Verständnis habe, die sind jetzt bei mir als Journalist, ich kriege das Weltgeschehen mit vielleicht auch nochmal anders als bei jemandem, der irgendwo im Dorf sitzt und da vielleicht auch nicht groß rauskommt. Und vielleicht ist es dann wichtig, die richtigen Leute mit den richtigen Geschichten zu erreichen. Also ich glaube, es geht vielleicht gar nicht darum, sich auch gegenseitig die Pfründe abzugraben, sondern eher die Menschen, die vielleicht eh spendenwillig sind, mit irgendwas zu erreichen. Ich hatte es ja vorhin erzählt, wir kriegen ab und zu Anrufe, ja hallo, wir würden gerne spenden, wofür können wir denn spenden? Und das ist, glaube ich, das Potenzial, das man abschöpfen kann. wo man hinkommt. Und da muss man einfach gucken, was sind die Wege, mit der richtigen Geschichte zu den richtigen Menschen zu kommen
Sprecher 1 Weitere Fragen.
Sprecher 7 Zu dem Mantro, Mantra, der Spenderwille zählt. Ich glaube, der Unmut über diese großen Spenden richtet sich nicht gegen die Person, die gespendet haben. sondern ist eben ein Spiegel der Gesellschaft, wo Menschen sich fragen, was ist das für ein Land, wo Kinder nicht zur Schule gehen können oder Menschen fast verhungern oder woanders verhungern Und dann für Steine gespendet wird, so viel. Oder aber auch, was ist das für eine Gesellschaft, in der Menschen so viel Geld haben Ist da vielleicht irgendwas komisch bei? Und das ist kein Angriff auf die Person, die sich entscheiden, ihr Geld zu teilen, sondern es ist ein Spiegel auf die Gesellschaft. Und zugleich, was eben auch schon gesagt wurde, ich glaube, die Kraft des Spendens ist ja, dass viele Menschen zusammenlegen. Und solche großen Großspenden können auch demotivieren, weil, sorry, ich. Ich habe gerade weder eine Million noch 10. 000 Euro übrig. Und das Bild, an dem wir ja vor allem arbeiten, ist, dass viele Menschen gemeinsam ganz viel bewegen können und damit ja auch, der Spenderwille zählt, durchaus demokratisch mitgestalten können. wofür Geld da ist, weil sie für sich entscheiden. Und dann kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, ich kenne jetzt nicht so genau das französische Spendenrecht, also gar nicht. Aber wenn ich in Deutschland eine Million spende für einen gemeinnützigen Zweck, gebe ich ja nicht eine Million weg. sondern ich entscheide damit über 420. 000 Euro Steuereinnahmen, ganz allein undemokratisch. Auch das erregt vielleicht Unmut und ist auch ein Spiegel der Gesellschaft.
Sprecher 2 Ja, das kann ich auch gut verstehen. Also das, solche Ereignisse zeigen natürlich auch, dass das alte Argument, ja, es ist einfach kein Geld da ist, das stimmt in den meisten Fällen einfach nicht. Es ist schon Geld da, es wird einfach nur unterschiedlich eingesetzt. Und natürlich, ich fand auch diese Aktion der Obdachlosen in Paris sehr bewundernswert und interessant, die gesagt haben: Notre Dame hat kein Dach, wir haben auch kein Dach. Das, denke ich, führt aber einfach genau dazu, dass Leute sehen, wir können für den Unterdamm spenden, ja, jetzt spenden wir bitte auch mal ein bisschen was für die Obdachlosen. Also wir können den ja trotzdem helfen. Und ich glaube, niemand von diesen reichen Familien oder von den Spendern geht jetzt irgendwie in Privatinsolvenz, weil er sich bei Notre Dame beteiligt. Und dann kann man auch mal wann anders Geld geben. Also ich glaube, die größte Gefahr ist vielleicht, dass solche Familien oder sehr reiche Menschen oder egal wer eigentlich sagen kann: naja, ich habe dieses Jahr schon für Notre Dame gespendet, jetzt brauche ich Weihnachten nicht mehr gucken, was UNICEF macht oder andere große Unternehmen. Organisationen von ihnen es ganz viele wunderbare Organisationen gibt. Ich glaube das aber auch nicht, dass die Menschen dann so sagen: Okay, ich habe hier meine 100 Euro und die verteile ich und wenn die verteilt sind, dann interessiert mich der Rest. nicht mehr was passiert. Also wenn dann irgendwo wieder eine Flutkatastrophe ist, ich meine, sehen wir uns an, die letzten Jahre, wenn das ab und zu mal an der Elbe vorgekommen ist, dann spenden die Leute trotzdem wahnsinnig viel. Also ich kann den gesellschaftlichen Unmut verstehen, aber ich denke, den kann man auch nutzen und der wird auch genutzt.
Sprecher 8 Ich habe das Mikrofon jetzt, Günther Lutschinger, wie man unschwer hört, aus Österreich kommend. Ich glaube, wir werden ein Feedback geben aus Österreich, wo diese mediale Welle auch so rübergeschwappt ist. Dass wir alle besser wissen, was die reichen Franzosen mit ihrem Geld machen sollen, als vor Notre Dame zu spenden, haben östdeutsche Journalisten auch groß darüber berichtet. Ich hatte die Gelegenheit, mit einigen Vermögenden ein paar Tage später zusammenzusitzen. Und was haben die gesagt? Die haben gesagt, eigentlich ist es vollkommen egal, was wir mit unserem Geld tun. Gehen wir es aus, werden wir kritisiert. Gehen wir es nicht aus, wären wir auch kritisiert. Das ist doch eigentlich besser, wenn wir etwas, was die Öffentlichkeit nichts angeht. Und ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt dabei. Vermögend zu sein und als Philanthrop aufzutreten, ist ähnlich wie deutscher Fußballtrainer zu sein. 82 Millionen Deutsche wissen am besten, wie die deutsche Fußballmannschaft oder doch die Österreichische, wir sind leider nicht so gut, trainiert werden soll oder gecoacht werden soll, also über das Geld anderer Menschen zu entscheiden. Sind wir wahnsinnig gut. Und demotivieren all jene. Und demotivieren all jene, die etwas tun wollen, aus einer Emotion daraus, also einem kurzen Impuls heraus, etwas zu tun. Und deswegen bin ich begeistert darüber, dass sich dieser effektive Altruismus gar nicht durchsetzt, weil ich halte das für einen tollen Schwachsinn, zu sagen Entscheiden Sie doch selber nach effizienten Kriterien, vollkommen rational, nach einer Studie, wo Sie die ganzen Consultein hoffenweise Geld verdienen, auch in Deutschland. Sondern gehen wir doch dahin, wo wir die Gesellschaft motivieren wollen, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Ist es 10 Euro super? Ist es 10 Millionen super? Ist es 100 Millionen von Notre Dame? Wunderbar. Und ich glaube, wir müssen mehr in die Richtung gehen, Engagement zu belohnen und nicht nur zu kritisieren. Danke.
Sprecher 2 Ja, da würde ich gerne noch kurz zwei Sachen zu sagen. Ich stimme Ihnen zu, ich glaube sogar, dass Die Reichen viel mehr Ärger bekommen, wenn sie ihr Geld ausgeben. Also, dass wenn ein Reicher sein Geld auf der Bereitheit und nichts damit macht, dann gibt es so einen Grundrumor, aber viel wütender werden die Leute, wenn man sich einen Zweck aussucht und dafür spendet, dann heißt es ja okay, aber es gibt auch viel bessere Zwecke. Also das wird immer so sein. Auf der anderen Seite denke ich mir, in meiner persönlichen Vorstellung hat jemand, der mehr Macht, mehr Einfluss und mehr Geld hat, einfach auch mehr Verantwortung. Also, das ist vielleicht ein bisschen unfair, aber das sehe ich schon so. Und das kann man dann auch entsprechend nutzen und muss sich auch gefallen lassen, dass Leute dann mit einem diskutieren. Und eine Sache muss ich ihm widersprechen. Das ist nicht, das war kein. Das war kein unkalkulierter Impuls. Die wissen schon genau, wofür sie wann ihr Geld ausgeben und welche Wirkung das hat. Also, wie gesagt, das Notre Dame aufbauen, da ist man für viele Menschen ein Held, und zwar für immer und auch Das ist nicht nur das große gute Herz, das ist auch Prestige.
Sprecher 9 Astrid von Soßen. Also ich finde das sehr spannend, was Sie erzählen. Und ich fand auch den Kommentar hier von Günter Luttinger dahingehend, dass wirklich das Herz eigentlich am Ende doch regiert, sehr wichtig. Und die Frage, die mich bei dieser ganzen, als ich das beobachtet habe, wirklich beschäftigt hat, ist, eigentlich was ist das Emotionale, was darunter liegt? Und mein Gefühl ist, dass das Emotionale, was darunter liegt, Identifikation ist. ist. Man kann sich mit dieser Sache irgendwie identifizieren. Und diese Identifikation, die ist keine rationale Angelegenheit, sondern es ist eine komplett emotionale Angelegenheit. Und ich möchte etwas kritisch an Sie zurückgeben. Sie haben vorhin davon gesprochen, dafür plädiert, dass man das Herz ein bisschen mehr sprechen lassen soll und erzählt, wie das Kinderbild Ihr Herz schweigen lässt. Man muss die Dinge übereinander bringen. Entweder sagt man, das ist eine rein rationale Geschichte, dann kann man den Konzerten holen. Aber ich glaube, an sich ist das zentrale Thema, ist das emotionale Thema. Und für uns Fundraiser stellt sich die Frage, wo ist das eigentlich? Wie können wir das verstehen? An welcher Stelle findet das statt? Also ich würde mal annehmen, dass keiner hier im Raum gesessen hat und gesagt hat, Notre Dame brennt, ist mir komplett gleichgültig, hat vielleicht was mit historischer Identifikation. zu tun oder auch mit dem europäischen Gedanken. Aber es war sicherlich nicht so, dass wir gesagt haben, einen Steinhaufen mehr oder weniger, kann ich mir kaum vorstellen. Danke.
Sprecher 2 Ja, also ich denke, dass gerade die emotionale Ebene, ich glaube, vielleicht die meisten Spender immer viel eher das Emotionale bewegt oder das Bauchgefühl zu spenden. Das kann ich jetzt nicht belegen, aber ich würde mal unterstellen, dass wenn ein großes Unternehmen sich überlegt, okay, wir haben dafür ein Budget, wir möchten spenden, dass die sich sehr genau sich angucken und analysieren, wofür sie das Geld auswählen. dass aber Menschen, Privatpersonen eher sehr spontan auf Ereignisse reagieren. Und das mit dem mit dem Foto vorhin, das meinte ich gar nicht böse. Es ist nicht so, als ob mich nichts mehr erreicht. Also es ist nur so, wenn ich irgendwie gerade von der Arbeit heimkomme und ich fische aus dem Nichts so einen Brief aus dem Briefkasten und dann steht da so ein Bild und so eine Geschichte. Ja Es geht so. Also natürlich bin ich da nicht völlig kalt und denke mir, es ist mir egal, aber es war zum Beispiel was anderes, wenn ich eine Reportage gelesen hatte. Über irgendein schreckliches Verbrechen oder über irgendeine unglaubliche Ungerechtigkeit. Oder eben darüber, dass zum Beispiel Der Jemen, dass das sehr vergessen wird und dass auch immer wieder darüber geschrieben wird, dass es vergessen wird. Also es ist nicht sehr präsent. Und dann habe ich gelesen, was da im Detail an schrecklichen Dingen passiert. Da war ich dann sehr motiviert zu spenden. Also diese Geschichte hat mich dann berührt und die kam gar nicht von irgendeiner Organisation, sondern das waren dann tatsächlich auch Medienberichte, die mich berührt haben und mich bewegt haben zu spenden. Es sind einfach, denke ich, schon Geschichten, und man muss gucken, wann und wie man die an die Menschen richtet. Und gerade vor Weihnachten, wenn ich dann irgendwie 40 solche Briefe bekomme, ich denke mir nicht bei jedem Einzelnen wieder, oh Gott, wie schrecklich, oh Gott, wie schrecklich, oh Gott, wie schrecklich. Dann hat vielleicht auch der erste Glück oder eine Geschichte, die mich über andere Wege erreicht. Aber ich glaube auch, dass das Emotionale sehr, sehr wichtig ist und vielleicht auch nochmal auf das zu sprechen kommen, was Ihr Kollege davor gesagt hat. Ja, natürlich muss man auch sagen, hey, seht mal, was da zustande gekommen ist. Also das positiv nutzen. Wie viel Geld für Notre Dame zustande gekommen ist. Es wäre auch schrecklich, wenn es keinen interessiert, wenn diese Kirche da jetzt verbrannt für immer in Paris stehen würde und man hört dann so, ja, es sind so 20. 000 Euro zusammengekommen. Oder so ein kleiner Verein versucht, das wieder aufzubauen. Also das finde ich viel demotivierender, als zu sehen, dass Milliardäre sehr, sehr viel Geld da investieren.
Sprecher 7 Und dann da hinten? Kann niemand schon mit dem Mikro da hinten? Achso, Entschuldigung.
Sprecher 10 Martin Dodenhöft, ich möchte einen Aspekt noch ansprechen, den wir oft im Ethikausschuss hatten und nicht nur dort. Die Wirkmächtigkeit der Bilder. Und ich frage mich jetzt mal so gegen den Strich. Okay, wir haben keine Live-Berichterstattung, wir haben keine sozialen Medien, es kommt keine Fernsehdauersendung, wir sehen den Turm nicht einstürzen. Am nächsten Morgen steht vielleicht in der Zeitung, da ist in Paris das Dach von Notre Dame so ein bisschen kaputt. Da gibt es keine 100 Millionen. Da gibt es auch keine Milliarde. Wir machen uns oft Gedanken darum, wie unsere Impulse multipliziert werden durch Medien. Das sind ja gewissermaßen auch Sie, wenngleich ich Chris Moon durchaus freisprechen möchte von dieser. oder vielleicht leider freisprechen muss, von dieser großen Eindringtiefe dieses Faktors, den wir da haben. Und auch wenn ein Erdrutsch zwölf Familien in ihre Häuser bringt Ich habe ein vergleichbares Beispiel. Wir erinnern uns an die Elbeflut. Die Elbeflut, ganz Deutschland, die Elbeflut, die Elbe, unser Land. Ich glaube, da waren, ich mag mich täuschen, aber zwölf Häuser. Oder 100 Familien betroffen, 100. Es sind aber riesige Summen zusammengekommen, denen man nachher gar nicht wusste, wie man die ausgeben sollte. Sie haben vieles angesprochen, was ich gut finde, aber die Wirkmächtigkeit der Bilder wird uns und muss uns weiter beschäftigen. Und die Wirkmächtigkeit der Bilder bedeutet auch, wenn jemand 100 Millionen gibt, dann sind diese 100 Millionen erst dann 100 Millionen, wenn die auch entsprechend transportiert werden. Wenn sie nicht transportiert werden, dann ist es ein altruistischer Impuls eines Menschen, der sagt, das ist meine Kirche, das ist meine Gotik, das ist mein Land, das ist meine Kultur. Das ist ich, das bin ich. Und deswegen haben wir eine Charta der Spenderrechte, da lasse ich gar nicht mit mir diskutieren, dass ich sage, ich entscheide, ob das das Herz ist, ob es der Kopf ist. Wir sind aber gut beraten, glaube ich, wenn das Herz entschieden hat, dann doch den Kopf auch nochmal wirken zu lassen, zu fragen. Das Thema der Wirkungstransparenz ist deswegen so groß und das beschäftigt uns dann auch. Dankeschön.
Sprecher 2 Ja, das meinte ich ja gegen Ende, als ich gesagt habe, Kopf und Herz irgendwie zusammenzubringen. Und wegen der Wirkmächtigkeit der Bilder haben Sie natürlich recht. Damit habe ich ja auch begonnen. Wir haben dann das live gesehen. Also das war wirklich, wir waren dabei gesessen, als diese Kirche abgebrannt ist und zerstört wurde. Wenn ich das irgendwie Tage später erst gehört hätte, hätte ich auch gedacht, okay, wow. Aber ich war wirklich live dabei. Und das können natürlich soziale Medien erreichen. Deswegen, ja, wahrscheinlich sind viele von Ihnen auch genervt, dass man jetzt soziale Medien auch immer nutzen muss, um Menschen anzusprechen. Ich glaube Es ist natürlich Fluch und Segen. Man kann das sehr, sehr klug machen und sehr, sehr pointiert, und man kann aber auch die Leute irgendwie zuschütten mit Texten und Bildern. Und wenn ich dann das Gefühl habe, das ist nicht mehr authentisch und da ist jetzt, ich werde einfach irgendwie versucht, meine Aufmerksamkeit zu. so hinzulenken, das versuchen eh schon alle die ganze Zeit. Also ich muss schon wirklich, ich muss das Gefühl haben, das ist ehrlich gemeint. Und Es müssen auch Bilder sein, die jetzt, also Stock-Fotos sind da vielleicht nicht unbedingt immer der richtige Weg. Da ist so eine brennende Kirche, die live von mir irgendwie einstürzt. Das bewegt mich natürlich ganz anders
Sprecher 1 Ganz kurz, können Sie bitte Ihre Fragen und Beiträge noch mal kürzer formulieren? Wir müssen ein bisschen auf die Zeit achten und wir würden gerne noch die anderen Fragen mit aufnehmen.
Sprecher 11 Ich tu mein Bestes. Ups, Entschuldigung. Isabella Stock aus Köln. Wir diskutieren dieses Thema ja als Fundraiser und ich lasse gerade dieses Wort von Herz und Bauch und Kopf, also diese Diskussion, die wir vorhin hatten, nicht los, weil ich finde, wir sind da vielleicht noch nicht komplex genug eingestiegen. Man soll es ja mal simplifizieren, ich mache es jetzt mal andersrum. Herr Gütlerin hat eben gesagt, es geht auch um Prestige. Das fand ich sehr wichtig an der Stelle. Denn viele von uns werden schon erlebt haben, dass der Satz Geld kommt zu Geld wirklich stimmt. Eine reiche Familie spendet, die anderen schließen sich an und fühlen sich natürlich auch innerhalb ihrer Gruppe. Das ist für mich herzmäßig sehr gut nachvollziehbar. Als Fundraiserin frage ich mich gleichzeitig, wie kann ich diesen Effekt nutzen, um auch noch andere Aspekte des Herzens, die jeder Mensch hat. anzusprechen und vielleicht auch für andere Zwecke nutzen zu können, dafür zu sorgen, dass weniger Menschen hungern, Krankheiten gehalten werden, etc. pp. Und aus diesem Grund ist es ja auch so schwierig, eine Strategie für uns zu entwickeln, die dazu führt, dass es vielleicht ein bisschen gleichmäßiger verteilt wird, beziehungsweise auch für andere Zwecke mehr Geld gibt und schneller Geld gibt. Als für Notre Dame. Also sprich, ich glaube, wir müssen viel mehr darüber nachdenken, wie wir auf eine komplexe Weise psychologisch Spenderinnen und Spender erreichen können, auch größere Summen. für scheinbar nicht so prestigeträchtige Objekte oder Zielpersonen zu geben.
Sprecher 2 Also wenn man sie jetzt ganz gemein formulieren will, könnte man natürlich auch sagen, sie müssten eigentlich nur eine sehr einflussreiche Person dazu bewegen zu spenden, sodass andere sich dazu genötigt fühlen, mit in den Wettbewerb einzusteigen. Das ist natürlich dann gar nicht mehr Herz, aber. Dass das funktionieren kann, will ich gar nicht in Abrede stellen.
Sprecher 12 Katja Deckert aus Berlin. Mir sind so ein paar Sachen auch in der Diskussion hier aufgefallen. Das eine war, was für eine Gesellschaft ist das, in der Menschen so viel Geld haben? Mir fällt spontan keiner einen, in der es nicht irgendeine Schicht gibt. Gruppen von Menschen, die viel Geld haben. Wenn ich lese, dass im Palast von Herrn Baschir im Sudan, ich weiß nicht, wie viele Millionen an Bargeld gefunden werden, frage ich mich auch, warum soll ich dahin spenden? Insofern finde ich, das ist immer so ein idealisierter Ansatz über eine ideale Gesellschaft, die ich gerne hätte, der nicht funktioniert. Und ich habe bei Notre Dame das Gefühl gehabt, dass es sehr entlastend ist für einen Spender. Es war medial sehr präsent, es ist ein Gebäude, ein Gebäude hat keine politische Einstellung. Frankreich scheint kein Land zu sein, wo irgendetwas in Palesten versackt, was man dann findet. Und man sieht auch, wie es fertig wird. Also, das ist bei Kriegen und Hungersnöten irgendwie nicht so. Man hat so das Gefühl, man weiß nicht, wo man sein Geld hingeben kann. Ich glaube auch, dass Menschen mit vielen Millionen nicht nur kalkuliert agieren, sondern auch emotional agieren und an das geben, was sie haben. Wir leben in einem Kontinent, in dem das Stürmen von Kirchen, das Abbrennen von Kirchen, das Vernichten von Kirchengebäuden Tradition hat und ist immer ein Zeichen von Verrohung gewesen. Und wir leben aktuell in einem Kontinent, dem sich Zeichen von Verrohung überall in der Gesellschaft aufbrechen. Und ich glaube, diese Spendenaktion für Notre Dame hat auch den Aspekt zu zeigen, wir sind noch in einer zivilisierten Gesellschaft. Und da finde ich, wenn Menschen mit viel Geld Geld reingeben, hat das noch ein ganz anderes Zeichen.
Sprecher 2 Ja, würde ich Ihnen zustimmen. Natürlich sind wir in einer zivilisierten Gesellschaft. Es ist auch, habe ich gestern erst wieder gelesen, natürlich in sehr, sehr vielen Aspekten so, dass die Sachen nicht schlimmer und roher werden, sondern dass sehr vieles, sehr viel besser wird. Und was Sie am Anfang gesagt haben, mit einer idealen Gesellschaft, ja, also. Ich finde schon, man kann manche Dinge anstreben, ob man jetzt sagt, wir nehmen allen das Geld weg, teilen es durch sieben Milliarden und geben allen die gleiche Summe. Weiß ich auch nicht, ob das jetzt sehr zielführend ist. Aber es gibt natürlich, ich finde die Fragen schon berechtigt, wenn es Menschen gibt, die so extrem reich sind, dass sie gar keine Chance haben, dieses Geld, ihr Leben irgendwie auszugeben, auch nicht in ihre Enkel und Urenkel. dass sie in einer gewissen Verantwortung sind, dieses Geld zumindest einigermaßen sinnvoll auszugeben, so sinnvoll wie möglich ist es, Das ist natürlich schwierig. Habe ich ja auch versucht rauszuarbeiten, was ist mehr wert. Das kann man nicht irgendwie 100 Prozent festlegen. Und natürlich kann man auch Geldextrem Sinnlos ausgeben. Das wird ja auch wahnsinnig viel gemacht. Also eine Geschichte, die ich nicht mehr in den Vortrag einbauen konnte, aber die ich vielleicht jetzt doch ganz kurz erwähnen möchte. Ich beeile mich. Ich weiß nicht, vielleicht die Jüngeren von Ihnen kennen bestimmt Kylie Jenner. Das ist die Halbschwester von Kim Kardashian und ist die jüngste Self-Made-Milliardärin der Welt seit März diesen Jahres. Sie ist 21 Jahre alt und hat, glaube ich, an Kosmetik. Imperium. Und letzten Sommer hat ein US-Comedian ein Fundraising, ein Crowdfunding gestartet, damit sie auch wirklich es schafft. Die reichste Milliardär, die jüngste Self-Made-Milliardärin der Welt zu werden. Und da haben Leute für gespendet. Also da kam was zusammen. Ich weiß nicht genau wie viel und es war auch wahrscheinlich ein Gag, aber trotzdem, Menschen haben da Geld gespendet und die haben nicht aus emotionalen Gründen gehandelt, die haben auch nicht aus dem Kopf heraus gehandelt, die finden das halt witzig. Also man kann Geld immer irgendwie auch verbrennen, das ist natürlich immer eine Möglichkeit.
Sprecher 1 Okay. Eine letzte ganz kurze Frage.
Sprecher 13 Petra Bölling, Uni Münster. Ich möchte noch einmal zum Schluss eine Lanze brechen für die Milliardäre und Vermögenden in Deutschland. Was ich sehr schwierig finde, ist, wir haben, wenn man ein hohes Spendenpotenzial ist da, aber das heißt nicht Spendenbereitschaft. Und all die Milliardäre sind auch nur Menschen und die wollen emotional angesprochen werden. Und bei Ihrem Vermögen haben Sie das Gefühl, Sie haben es trotzdem selbst erarbeitet, auch wenn es über Aktien, Immobilien oder Erbschaften gekommen ist. Es ist erstmal ihr Geld. Und das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn diese Milliardäre emotional angesprochen werden, sich identifizieren mit dem Projekt wie Notre Dame. wirklich viel Geld geben, 100 Millionen sind viel Geld, wenn es in ihrem Gesamtvermögen natürlich wenig ist aus unserer Sicht. Aber trotzdem ist es. viel Geld. Und wir als Fundraiser für uns wäre das Wichtigste, dass eine Würdigung und Wertschätzung dieser Spenden erfolgt. Weil wenn wir dies nicht tun, werden wir alle demotivieren, die vermögend sind, dass sie je wieder was tun. Und deswegen ist es ganz wichtig, dass wir eine Wertschätzung. ihnen gegenüber zeigen und das auch öffentlich zeigen. Und ich finde das extrem schade. Es gab ja schon mal eine Initiative aus den USA, dass Milliardäre auch viel spenden sollten von ihrem Vermögen und es ist sehr stark zerredet worden hier in Deutschland. Und das finde ich extrem schade, weil ich glaube, dass wir viel mehr bewegen könnten, wenn wir eine entsprechende Wertschätzung gegenüber diesen Milliardären und Millionären, wenn sie Spenden denn entgegenbringen würden.
Sprecher 2 Einwirtschaft Ein letzter Satz dazu, ich würde das Geld auch niemandem wegnehmen wollen und sagen, ihr müsst das jetzt so und so geben, aber man kann auch den Leuten Optionen geben und sagen, okay, schaut mal, es gibt das, es gibt das, es gibt aber auch das.
Sprecher 1 Genau, ich glaube, wir müssen jetzt einfach diese spannende Diskussion, die auch mit sehr vielen Redebeiträgen weniger durch Fragen geprägt war, hier mit so einer Klammer umfassen. Für diesen Moment ganz herzlichen Dank, Michael. Wir haben hier die Zielgruppe, 25 Jahre Journalist. Spender und Initiator. Also, wir hatten die sehr, sehr offene und persönliche Möglichkeit, hier deinen Gedanken zu folgen. Also nicht die Fundraiser-Perspektive. Sondern wirklich die andere Perspektive einer Zielgruppe, die für uns, glaube ich, sehr, sehr interessant ist. Und ich möchte vielleicht einfach noch mal das Plädoyer rauslassen. Ich muss mich die ganze Zeit zusammenreißen, nicht die französische Perspektive hier einfach mal rauszuhauen. Aber das würde den kompletten Rahmen jetzt sprengen, aber Sie können mich hinterher mal drauf ansprechen. Ich würde das Plädoyer rausgeben an die Welt, lassen Sie uns versuchen, daran zu arbeiten, dass das Spenden, egal von wem, Und ob das jetzt Geld ist, Zeit oder Sachspenden, dass das ansteckend ist, dass die Kultur des Gebens auch in diesem kritischen Deutschland Auch noch viel stärker in die Gesellschaft reingetragen wird und honoriert und wertgeschätzt wird. Und das ist, glaube ich, unsere Verantwortung als Fundraiser und Fundraiserinnen, daran weiterzuarbeiten, dass es in der Zivilgesellschaft richtig gut ankommt. Ganz herzlichen Dank, Michael, und vielen Dank an das Publikum für die rege Teilnahme. This is what you can do.